Lexikon der Filmbegriffe

Historisches Frauenschicksal

Eine ganze Reihe von Biopics und Doku-Dramen entwerfen die fiktionalisierte Biografie berühmter Frauen (Königinnen, Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen etc.), stellt sie in ihren historischen Kontext, würdigt ihre Leistungen und arbeitet ihre Bedeutung für die Nachwelt heraus. Dabei wird selten das ganze Leben verfilmt, stattdessen konzentriert man sich auf die als zentral erachteten Lebensabschnitte. Und: Nicht immer sind die porträtierten Frauen bereits bekannt; manche gelangen erst durch die Verfilmung ihres Lebens in den Kanon der Berühmtheiten. Der Unterschied zur männlichen Variante des Biopics besteht darin, dass die Frauenfiguren - analog zur jahrhundertealten männlichen Geschichtsschreibung – auffallend oft an der Seite „bedeutender“ Männer stehen, während das Umgekehrte weitaus seltener der Fall ist. Außerdem tendieren die Verfilmungen der Frauenschicksale mehr zu Ausstattungs- und Kostümfilm sowie Melodram und betonen das Private, wogegen Männerschicksale eher als Charakterstudien daherkommen, die das Öffentliche der Figur ausloten. So oder so ist das historische Frauenschicksal eines der wenigen Formate, das Charakterschauspielerinnen – besonders jenen über Dreißig – große Rollen anbietet. Beispiele sind Queen Christina (USA 1933, Rouben Mamoulian) über das Leben einer schwedischen Königin aus dem 17. Jahrhundert, Sissi (Österreich 1955, Ernst Marischka) über die Jugend und frühe Ehe der österreichischen Kaiserin Elisabeth, Rosa Luxemburg (BRD 1985, Margarethe von Trotta) über Arbeit und Tod der deutsch-polnischen Sozialistin und Pazifistin, die 1919 in Berlin ermordet wurde, oder Artemisia (Frankreich/BRD/Italien 1997, Agnès Merlet) über die erste anerkannte Malerin der europäischen Kulturgeschichte, Artemisia Gentileschi.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: PB


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