Lexikon der Filmbegriffe

Anarcho-Komödie

engl.: anarchistic comedy; oft auch: wacky comedy film, von engl.: wacky = verrückt, blöde, übergeschnappt

Die „anarchistische Komödie“ nutzt sinnloses Material, oft in assoziationistischer Manier in die Grundhandlung eingestreut, fast immer mit einem rabiat anti-autoritären Gestus vorgetragen. Die Scherze, die visuellen Gags, die oft slapstickartig überhöhten körperlichen Aktionen werden in hohem Tempo vorgetragen, oft keiner narrativen oder situativen Folgerichtigkeit unterworfen. In manchem erinnert die Anarcho-Komödie der Farce (die Übertriebenheit der Charaktere, die Zuspitzung der Szenen); in anderem unterscheidet sie sich aber deutlich (z.B. in der Loslösung der Gags von der Handlung). Die Wurzeln der Anarcho-Komödie liegen im Zirkus, in Minstrel-Shows, in den Music-Halls und in Burleske und Vaudeville. Mit der Nummerndramaturgie mag zusammenhängen, dass die Dissoziation von Rahmen und Gag so stabil geblieben ist. Der Film nahm sich dieser Komödienform früh an, vieles im Slapstick erinnert daran. Das Bemühen aber, zusammenhängende Geschichten zu erzählen, ließ die Sprunghaftigkeit und die manchmal angestrengt wirkende Assoziativität der Anarcho-Komödie in den Hintergrund treten (Buster Keatons Sherlock, Jr., 1924, zeugt allerdings von der ungebändigten Energie des Anarcho-Lachens). Mit den Marx Brothers erlebte die anarchic comedy ihre hohe Zeit – Filme wie The Cocoanuts (1929), Duck Soup (1933) und Horse Feathers (1932) gelten bis heute als Höhepunkte dieses komischen Stils. W.C. Fields (mit Filmen wie The Bank Dick, 1940, oder Never Give A Sucker An Even Break, 1941) betrieb eine respektlose und bissige Auseinandersetzung mit Ausdrucks- und Umgangsformen des Besitzbürgertums. Mit Hellzapoppin (1941, H.C. Potter) entstand ein oft nichtlineares Spektakel, in dem die Filmindustrie selbst karikiert wurde. Komiker wie Bob Hope, Bing Crosby, Dorothy Lamour, in den 1950ern dann Jerry Lewis (und sein Regisseur Frank Tashlin), in den 1970ern die englische Gruppe Monty Python (und Filme wie Monty Python And The Holy Grail, 1975, oder The Meaning Of Life, 1983): die Anarcho-Komödie ist Teil des Kinos geblieben und hat neben dem Erzählkino eine andere, dem populären Theater nahe Tradition des Unterhaltens wachgehalten.

Literatur: Jenkins, Henry: What Made Pistachio Nuts? Early Sound Comedy and the Vaudeville Aesthetic. New York: Columbia University Press 1992.
 

Referenzen:

lampoon


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CA


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