Lexikon der Filmbegriffe

Goldenes Zeitalter

meist gleichbedeutend mit: Blütezeit, Hochzeit

Goldenes Zeitalter
ist ein Begriff aus der antiken griechischen Mythologie und bezeichnet eine als Idealzustand betrachtete Urphase der Menschheitsgeschichte. In der Neuzeit dient der Begriff als metaphorisch anspielendes Bild zur retrospektiven Charakterisierung von Blütezeiten, gehört insofern einer oft nostalgisch eingefärbten, recht einfach gebauten Populärhistoriographie an. Im Film spricht man etwa vom „goldenen Zeitalter“ des dänischen Films und meint damit die Phase von 1918-1922, als die Filme aus Dänemark nicht nur künstlerisch höchst anspruchsvoll waren, sondern sich auch international breit vermarkteten. Das „goldene Zeitalter Hollywoods“ ist zugleich die Hochphase des Studiosystems, als das Oligopol der Studios den Markt nahezu kontrollierte und zugleich den Repräsentationsstil des Kinos weltweit dominierte. In künstlerischer Hinsicht gelten dagegen die späten 1960er und frühen 1970er heute als „goldenes Zeitalter“ des US-Kinos, weil in dieser Ära US-amerikanische Filme innovativer, komplexer, realistischer und – im Umgang mit den Themen – aggressiver als je zuvor oder danach waren. Das Bild kann auch auf Genres übertragen werden – die 1970er sind dann das „goldene Zeitalter“ der Science-Fiction im Mainstream-Kino, die 1920er werden ganz allgemein als ein „goldenes Zeitalter“ der Filmkomödie ausgegeben, die Tonfilmphase von 1928-38 als die des Musikfilms. Wie schon gesagt: Das Bild des „goldenen Zeitalters“ setzt die Gegenwart von der Vergangenheit ab, idealisiert und stilisiert vergangene Filme oder Zeiten als Kernvertreter einer Gattung, einer Produktionsweise, eines Zustandes der Marktbeherrschung usw. Die gegenwärtige Produktion fällt im Bild dagegen deutlich ab.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: CA


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