Lexikon der Filmbegriffe

Aufsicht

Alle Kamerapositionen, die oberhalb der Augenhöhe der protagonalen Figur lokalisiert sind, werden Aufsichten (down shots, high angle shots) genannt. Die Differenzierung erfolgt gleitend (leichte, starke Aufsicht). Sehr starke Aufsichten werden als Vogelperspektive bezeichnet, die Überkopf-Position als top shot.


Aufsichten entstehen zum einen als Anschmiegungen an Handlungsachsen in Schräglage (etwa in Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen oder Stehenden und Sitzenden). Zum anderen wird ihnen ein assoziativer Wert zugeordnet: Danach lassen sie die dargestellte Figur als machtlos oder unterlegen erscheinen; dieser Bedeutungshof ist mit der kulturellen Symbolik von „hoch/niedrig“ zusammenzudenken – das Machtvolle und das von hohem Ansehen wird als „oben“, das Machtlose oder Verwerfliche als „unten“ inszeniert und sprachlich bezeichnet. Diese Bedeutungen sind aber flüchtig, oft uneindeutig und in hohem Maße kontextabhängig. Wenn also in Viscontis Morte a Venezia (1971) der Protagonist in starker Aufsicht gezeigt wird, so geschieht das weniger deshalb, um ihn zu entmachten, als vielmehr um ihn vor der Heckwelle des Schiffes zu zeigen, so seine innere Erregtheit symbolisierend. Eher in den Bezügen von „Handlungsmacht“ stehen dagegen die Aufsichten in Murnaus Der letzte Mann (1924) oder auch in Staudtes Der Untertan (1951). 
 

Referenzen:

Kamerahöhe

top shot

Vogelperspektive


Artikel zuletzt geändert am 13.01.2012


Verfasser: HJW


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