Lexikon der Filmbegriffe

Anspielung

oft auch: Allusion; engl.: allusion

Viele Texte enthalten verkappte Hinweise auf als bekannt vorausgesetzte Personen, Geschehnisse oder Situationen. Werden Anspielungen gesetzt, wird auf ein gemeinsames vorausgesetztes Wissen von Sprecher und Adressat abgehoben, eine praktische Eingliederung des Textes in die kulturelle Tradition und ein Schulterschluss mit dem Rezipienten gleichzeitig vollzogen. Derartige Bezüge können auf andere Filme hergestellt werden (wie der Sensenmann, der in Last Action Hero, 1993, aus der Leinwand steigt, tatsächlich Ingmar Bergmans The Seventh Seal, 1956, entstammt), auf alle anderen Texte ausgedehnt werden, die so zum intertextuellen Umfeld des jeweiligen Films werden, auf Wissen über Liturgien, sakrale Schlüsseltexte usw. ausgreifen (wie die Eröffnung von Kubricks The Shining, 1980, mit Pendereckis „Dies Irae“ aus der katholischen Eucharistiefeier unterlegt ist und so die Nähe des Weltgerichtes anzeigt) wie auch auf Realia anspielen. Gerade Filme wie The Hudsucker Proxy (1993, Joel Coen, Ethan Coen) umfassen eine unübersehbar vielfältige Fülle von Anspielungen, die im Film selbst auf Kontrast gesetzt, nur ironisch umspielt sind oder emotional aufgeladen werden. Kunst-, bild-, film-, technik- und wirtschaftgeschichtliche Bezüge stehen gleichberechtigt nebeneinander, hoch- und populärkulturelle Herkunft der einzelnen Elemente verschwimmen und verlieren historische Kontur.

Literatur: Carroll, Noel: The future of allusion: Hollywood in the seventies(and beyond). In: October 20, Spring 1982, S. 51-81.
 

Referenzen:

Intertext

Intertextualität

Schlüsselfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.01.2012


Verfasser: AS


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