Lexikon der Filmbegriffe

Minigenre

engl.: mini-genre, mini genre

Wird ein Film einem Minigenre zugewiesen, so wird damit behauptet, dass es (a) neben diesem Film nur eine geringe Anzahl an aufzählbaren Vertretern des betreffenden Minigenres gibt oder dass (b) von einer bloßen – oft intuitiv und ad hoc entstandenen – grobklassifikatorischen Zusammenraffung die Rede ist, bei der nicht unbedingt die Anzahl ihrer filmischen Vertreter, sondern vielmehr die Menge explizit benennbarer Zugehörigkeitsbedingungen als „mini“ zu bezeichnen ist. So verrät denn ein solcher Ausdruck eigentlich wenig über die tatsächliche Zahl der Filme, die im Laufe der Zeit unter ihm verbucht werden können.
Minigenres sind zeitgebunden und bündeln mit ihrer definitorischen, eine bestimmte sequentielle Gliederung meistens mitanzeigenden Kraft häufig Filme, die zu einem bestimmten Zeitpunkt unter einem gemeinsamen Titel vereint erscheinen. Derartige Etikettierungen können nach einem gewissen Verfallsdatum ihren oft vage bleibenden, historischen Konnex für das allgemeine Publikum auch wieder verlieren (etwa: „Boston-Blackie-Filme“, „Stewardessen-Filme“ als Sexfilme der frühen 1970er Jahre).
Nicht selten ist an Orten von einem Minigenre die Rede, wo man die fraglichen Filme – und sei es bereits wegen der schieren Menge an nachweisbaren Werken – besser unter der Bezeichnung Subgenre verbuchen sollte, wie z.B. Blaxploitation-Film, Bollywood-Film, Gerichtsfilm, Heiratsfilm, Journalistenfilm, Katastrophenfilm, Spielerfilm, Tanzfilm, Tierfilm oder Zeitungsfilm.

Mit den genannten Einschränkungen lassen sich immerhin einige Minigenres angeben(die sich im Einzelfall bei genauer Betrachtung wiederum als durchaus problematisch erweisen können):

– filmtechnische Bezeichnungen: „The Making of... “, „single-shot film“, „alternate timelines stories“, „first-person documentary“;
– ein besonderes Publikum identifizierende, serielle Subgenres: „Teenie-Horror-Film“, „Teenie-Schocker“;
– Personenbezeichnungen, zumal auf Schauspieler oder Regisseure bezogene: „Sharon Stone Movie“, „Spielberg-Film“, „Woody-Allen-Film“;
– rollenbezogene Bezeichnungen mit oft titelindizierender Kraft: „Schwiegermutterfilm“, „Tanten-Filme“, „Nasen-Filme“, „Dumb White Guy movie“, „Dick-und-Doof-Film“, „Smokey and the Bandit“;
– inhaltscharakterisierende bzw. handlungsbezogene Bezeichnungen: „Hamburger-Western“, „body-switching movie“, „celebrity sex video“, „POW rescue flick“, „spy movie spoof“, „Star-Wars-Filme“, mit relevanten Untergruppen wie:

– Filme über eine Stadt: „Berlin-Film“, „New-Orleans-Film“, „Tokio-Film“;
– Filme über „Berufe“ bzw. Berufsrollen: „Pauker-Filme“, „Stewardessen-Filme“.

Als einziges notwendiges Kriterium für die Bestimmung eines Minigenres bleibt – neben der Identifizierbarkeit einer historisch veränderbaren, überschaubaren Materialmenge – letztlich nur eine wie auch immer geartete minimale Serialität und Sequenzialität von geringem Generalisierungsgrad übrig.

Referenzen:

Genre

Subgenre


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


Zurück