Lexikon der Filmbegriffe

Abenteuerfilm

Stoff- und motivgeschichtlich weist der Abenteuerfilm auf die populäre Literatur des 19. Jahrhunderts zurück. Er dramatisiert die Erfahrung des Kolonialismus, die Eroberung und Vereinigung der ganzen Welt durch die europäischen Kulturen. Er ist dabei verbunden mit einer dauernden Erfahrung des Fremden. Er gehört zur Entstehung einer industriell bedingten Populärliteratur, die ihre Stoffe sehr schnell verbreitete und oft in serielle Produktionsweisen überging. Die Geschichte des Abenteuerfilms setzt mit der Filmgeschichte selbst ein. Die Hochphase des Genres (1920-1960) endet in den frühen 1960er Jahren mit dem Ende der Kolonialreiche und wird durch eine Phase des „Spätabenteuerfilms“ fortgesetzt, in dem Elemente des Genres ästhetisch und politisch reflektiert werden.
Es gibt eine erkennbare, das Korpus lange Zeit dominierende kololonialistische oder sogar imperialistische Grundtendenz: Der Westeuropäer steht hier im Dunstkreis der Fremde, in den Kolonien, im Angesicht jener Kolonisierten, in denen immer die Gefahr des Aufstands schlummert. Eine Verdrehung der Perspektive, in der der Kolonisierte der Gerechte und der Kolonisierende der Halunke ist (wie in Gillo Pontecorvos Queimada, 1968), ist äußerst selten. Geschichten aus der Perspektive des Kolonisierten sind in der Hochphase des Genres (bis in die 1960er Jahre hinein) selten, finden sich erst seit den 1970er Jahren.
Der exotische und historische Abenteuerfilm war bis in die 1950er Jahre hinein eines der erfolgssichersten Genres. Seine Figuren (Tarzan, Zorro, d‘Artagnan, der rote Korsar und andere) gehören zu den populärsten Gestalten der volkstümlichen Kultur. Mit Indiana Jones und anderen Fantasy-Filmen erlebt das Genre seit den 1980er Jahren eine Renaissance.

Literatur: Traber, Bodo / Wulff, Hans J. (Hrsg.): Filmgenres: Abenteuerfilm. Stuttgart: Reclam 2004.

Referenzen:

Abenteuerromanze

Dschungel

Expedition und Schatzsuche

Martial-Arts-Filme

Peplums / peplum films

Piratenfilm

Raubtierfilm

Schatz

Völkerschau

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Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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