Lexikon der Filmbegriffe

Charakterstudie

engl.: character study, auch: sketch of a character, character sketch

Spielfilme, deren Hauptmerkmal eine realitätsnahe, psychologisch ausdifferenzierte Figurenzeichnung ist, werden wie in der Dramatik Charakterdramen oder -studien genannt. Dabei treten äußere Begebenheiten zurück, die Darstellung und Entfaltung der komplexen und schillernden Eigenschaften der Figuren – oder, im Fall des ungleichen Paares, der Figurenpaare – tritt in den Vordergrund des Interesses. Die Figuren der Charakterstudie warten keinesfalls nur mit positiven Eigenschaften auf und distanzieren sich gerade dadurch von einer typenhaften oder eindimensionalen Figurenzeichnung. Typischerweise sind die Hauptfiguren keine jungen Leute, sondern haben Lebenserfahrung. Die Charakterstudie ist oft die einzige Möglichkeit für Schauspielerinnen über vierzig, überhaupt noch zu arbeiten (innerhalb der westlichen Kinotradition, die sich auf die Körperlichkeit junger Frauen kapriziert und Rollenangebote für ältere Frauen äußerst knapp bemisst). Das Spektrum an Genres ist breit und reicht von Biopics und Ehedramen über Tragikomödien bis hin zu Milieustudien und Thrillern. Die dominierende Geste ist jedoch nicht die große, ausladende, sondern die fokussierende, aufs Detail gerichtete. Entsprechend kommen Abenteuer-, Action- und Ausstattungsfilme kaum vor.

Beispiele: Images (Irland 1972, Robert Altman); Ansikte mot Ansikte (Schweden 1975, Ingmar Bergman); Trois Couleurs: bleu (Frankreich/Schweiz/Polen 1993, Krzysztof Kieslowski); Heidi M. (BRD 2001, Michael Klier); Mi vida sin mí (aka: My Life Without Me, Kanada/Spanien 2003, Isabel Coixet).

Referenzen:

Charakterdarsteller

crisis

Identitätsproblem


Artikel zuletzt geändert am 22.03.2012


Verfasser: PB


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