Lexikon der Filmbegriffe

comedy drama

manchmal fälschlicherweise auch als: dramedy

Ein fast alle dramatischen Elemente vereinigendes Hybrid-Genre, das vor allem dramatische und melodramatische Züge mit komischen Elementen vermischt oder einen komischen Grundkonflikt behandelt, der dennoch nur selten komisch gelöst wird. Anstatt die Welt als eine Ordnung zu präsentieren, die durch das Komische nur partiell aus den Fugen gerät, eigentlich aber ein Raum des Glücks, des Lachens und der klaren Lösungen ist, gerät die Geschichte in tragische, melodramatische oder allgemein düstere Konflikte hinein, die nicht komisch aufzulösen sind. Gleichwohl wahren die meisten Filme des Genres einen heiteren Grundton. Schon in der Stummfilmzeit gab es erste Vertreter der Gattung (Charlie Chaplins bittersüßen sozialdramatischen Slapstick, Buster Keatons traurige Komödien usw.). Als Klassiker kann bis heute Preston Sturges‘ Sullivan‘s Travels (USA 1941) gelten, der mit der Leichtigkeit der Screwball Comedy anhebt und zunehmend in eine ausweglos erscheinende Verwicklung hineintreibt, aus der nur eine märchenhaft anmutende Wendung den Helden befreien kann. Andere Regisseure, die sich immer wieder des comedy drama angenommen haben und die beiden unterschiedlichen Register in eine perfekte Balance brachten, sind Howard Hawks, Ernst Lubitsch, George Cukor – und Billy Wilder, der als Meister der Gattung gilt. Seine Filme Ace in the Hole (USA 1951) und The Apartment (USA 1960) zeigten Abgründe der Einsamkeit und existentiell sich ausbreitender Versagensängste, die bürgerliche Normalität als eine winzige Insel in einem Meer des Unglücks spürbar machten. Regisseure wie Mike Nichols (The Graduate, USA 1967; Carnal Knowledge, USA 1971), Hal Ashby (The Last Detail, USA 1973), Woody Allen (Broadway Danny Rose, USA 1984; Hannah and Her Sisters, USA 1986) und Hal Hartley (Surviving Desire, USA 1991) führten die Gattung weiter, gelegentlich um einen zynischen Unterton erweitert. Auch im internationalen Kino haben Regisseure wie Claude Chabrol, Eric Rohmer, Federico Fellini, Mike Leigh, Takeshi Kitano und Pedro Almodovar immer wieder den schwierigen Ausgleich zwischen Komödie und Drama ausprobiert.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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