Lexikon der Filmbegriffe

Aktualitätenkinos

engl.: news cinema

(1) Das wohl erste Aktualitätenkino – darunter versteht man ein Filmtheater mit durchgehend laufendem, aus Kurzfilmen verschiedener Art gemischtem aktuellem Programm – war das Embassy am New Yorker Broadway, das am 2.11.1929 eröffnet wurde. Neben Wochenschauen und an Boulevard-Magazine erinnernden Kurzfilmen wurden auch kurze Dokumentationen und Features gespielt. Das Embassy schloss 1949 seine Pforten unter explizitem Hinweis auf das Fernsehen, das eine erdrückende Konkurrenz für derartige Programme geworden sei. Damit ist die Phase der amerikanischen news cinemas abgeschlossen.


(2) Viel später erst erreicht die Gattung die Bundesrepublik. In den 1950er Jahren entstanden in der BRD in größeren Städten eine ganze Reihe von Aktualitätenkinos. Die Abkürzung Aki wurde als Bezeichnung des Kinos der AKI-Aktualitäten-Kino GmbH verwendet; daneben gab es auch die Bezeichnung ALI für die Kinos der Aktualitäten-Lichtspieltheater GmbH sowie die Bezeichnung BALI für die Kinos der Bahnhofskino GmbH. Diese Kinos bildeten Theaterketten, daneben gab es auch Kinos im Einzelbesitz. 1954 gab es in der BRD 18 derartige Kinos. Akis waren meist am Bahnhof oder in dessen unmittelbarer Nähe angesiedelt. Das Programm bestand aus Kurzfilmen, zunächst Kultur- und Dokumentarfilmen und Kurzspielfilmen, nach 1964 auch aus Kurzkrimis. Häufig wurden auch die verschiedenen Wochenschauen (Neue Deutsche Wochenschau, Ufa-Wochenschau, Fox Tönende Wochenschau) der Woche nacheinander gezeigt. Das Programm dauerte in der Regel nicht länger als eine Stunde, sein Besuch war nicht an feste Besuchszeiten geknüpft und wiederholte sich nonstop von den Vormittagsstunden bis in den späten Abend. Es bestand zumeist ein Einheitspreis auf allen Plätzen, der Besucherzutritt war jederzeit möglich. Ab 1968 stellten die Aktualitätenkinos ihre Programme auf reguläre Unterhaltungsfilme um, als Gründe wurden der Mangel an Kurzfilmen und die fehlende Aktualität der Wochenschauen gegenüber dem Fernsehen genannt. Stattdessen wurden Action-, Kung-fu- und Softpornofilme gezeigt. Damit vollzog sich eine strukturelle Rückführung dieser Kinoform hin zum regulären Filmtheater und war Ende der 1970er Jahre abgeschlossen. 

 

Referenzen:

Zeitkino


Artikel zuletzt geändert am 15.06.2016


Verfasser: JH


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