Lexikon der Filmbegriffe

Identitätsproblem

Motiv in Spielfilmen, die Wert auf psychologisch ausdifferenzierte Figuren legen und oft einen ernsten oder gar düsteren Ton anschlagen: allen voran die Charakterstudie, aber auch das Melodram oder der Psychothriller. Im Zentrum steht die als problematisch empfundene Unsicherheit über die eigene – soziale, sexuelle, politische, psychische – Identität, die verschieden ausformuliert werden kann: Idealtypisch, da sozusagen „natürlich“ sich ergebend, wenn mit Adoleszenz und (Homo-)Sexualität verbunden; zugespitzt, wenn mit Krankheit (etwa Amnesie oder Schizophrenie) und Psychiatrie verknüpft; metaphorisch, wenn als Parabel konzipiert und mit Reisen oder Irrfahrten verwoben. Zwillinge und Doppelgänger können insofern eine Steigerung der Identitätsproblems darstellen, als sie möglicherweise die tief verankerte Angst vor der Einzigartigkeit und Unversehrtheit der eigenen Identität verkörpern.

Beispiele: Popiól i Diament (Polen 1958, Andrzej Wajda); Cléo de 5 à 7 (Frankreich 1961, Agnès Varda); Abre los Ojos (Spanien/Frankreich/Italien 1997, Alejandro Amenábar).

Referenzen:

Charakterstudie


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: PB


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