Lexikon der Filmbegriffe

Vierer-Konstellation

Figurenkonstellation, Motiv und Erzählmuster zugleich, bei dem vier Figuren – oft in Gestalt zweier (heterosexueller) Paare – sich näher kommen und meist über Kreuz betrügen oder fremdgehen. Die Spannbreite an Genres ist groß: Vierecksgeschichten sind oft frivole (Sex-)Komödien, in denen moralische Entscheidungen und Verstrickungen keine große Rolle spielen (Quadrille, Frankreich 1937, Sacha Guitry). Natürlich gibt es das Beziehungsdrama, das als moralisches Rührstück daherkommt (wie One Night Stand, USA 1997, Mike Figgis), um mahnend den Zeigefinger zu erheben, aber auch die romantische Komödie, bei der kreuzende Beziehungen zu eher rührenden Effekten führen (Addicted to Love, USA 1997, Griffin Dunn) und oft genug mit einer Restauration der ursprünglichen Beziehungskonstellation enden (One from the Heart, USA 1991, Francis Ford Coppola). Denkbar sind aber auch dunkle Kriminalfilme oder Thriller, in denen das Motiv für Spannung und Nervenkitzel sorgen soll. Schließlich gibt es die nüchternen Analysen nach dem Modell von Goethes „Wahlverwandtschaften“ (verfilmt 1974, 1979, 1981, 1996; auch: Tagebuch, BRD 1975, Rudolf Thome), die das Verhalten ihrer vier Figuren wie in einer Versuchsanordnung kritisch beobachten und oft den Anspruch auf eine Gesellschaftskritik erheben (Closer, USA 2004, Mike Nichols); das verwundert ein wenig, denn das Goethesche Bild der Wahlverwandtschaften basiert auf dem Verhalten von Stoffen, die „Affinitäten“ zueinander haben und ungesteuert miteinander chemische Verbindungen eingehen, so dass also die Akteure dieser Prozesse nur geringe Eigenverantwortung für das tragen, was sie tun. Darum auch werden im Viereck meist alle Figuren zu Opfern, wogegen die Figurenkonstellation des Dreiecks oft mit zwei Schuldigen und einem Opfer aufwartet. 


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: PB


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