Lexikon der Filmbegriffe

Filmoperette

auch: Operettenfilm

Die Filmoperette bildete ein wesentliches Genre zu Beginn der Tonfilmzeit vom Ende der 1920er bis zur ersten Hälfte der 1930er Jahre. Ihre Handlung beruht wie in der Bühnenoperette auf einer Verwechslungskomödie mit einer Liebesgeschichte eines Hauptpaares. Die Hauptdarsteller waren Kinostars, konnten aber auch bekannte Sänger sein, so z.B. im „Sängerfilm“. Die Filmoperette stand im Medienverbund mit Lead Sheets, Rundfunk und Schallplatte zur Vermarktung von Schlagern. Die Musik setzte sich aus bekannten Operetten- und Walzermelodien sowie aus Caféhaus-Jazz zusammen. Wegen ihrer starken kommerziellen Auswertung als Unterhaltungsware ist die Filmoperette aus ideologiekritischer Sicht politisch bedenklich. Im Rahmen der Geschichte des deutschen Films wird sie sogar als Beitrag zu einem präfaschistoiden Syndrom gewertet. Allerdings war die filmische Präsentation von Gesangsnummern schon im frühen Stummfilm in den „Tonbildern“ üblich. Sie entwickelte unter dem Einfluss der italienischen Oper und der Wiener Operette sowie durch kostspielige Inszenierungen als „Großproduktion“ und „Ausstattungsfilm“ das Format, mit dem sich die mächtigen deutschen, französischen und US-amerikanischen Filmgesellschaften den europäischen Markt zu Beginn des Tonfilms streitig machten. Hierfür wurden Filmoperetten in mehreren Sprachversionen gedreht. Die Gesangsnummern aus verschiedenen Filmoperetten wurden zusätzlich in Form von Kompilationsfilmen vorgeführt. Insofern kann die Filmoperette als Ausgangspunkt eines Vorläufers heutiger Videoclip-Programme im Fernsehen begriffen werden. 

Literatur: Uhlenbrok, Katja (Red.): MusikSpektakelFilm. Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film (1922-1937). München: Edition Text + Kritik 1998.
 

Referenzen:

Operettenfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JT


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