Lexikon der Filmbegriffe

Hyperbel

von griech. hyperbolē = Übertreibung

Rhetorischer Tropus, der eine übertreibende Darstellung einer Sache zum Zweck der Verfremdung, Aufwertung oder Emotionalisierung meint. Im Film fallen zum einen gewisse Formen des visuellen Gags in die Kategorie der Hyperbel, wenn etwa unverhältnismäßig brachiale Mittel zur Lösung eines einfachen Handlungsproblems herangezogen werden. Zum anderen aber sind Phänomene wie das exzessiv-übertreibende Spiel, das Jim Carey in der Rolle als Ace Ventura vorführt, als hyperbolische Techniken zu lesen. Overacting ist dann nicht nur als Mittel des Klamauks zu verstehen, sondern auch als ironische Überhöhung, als Mittel der ästhetischen Distanzierung oder als Strategie der Verdeutlichung. Auch die gekünstelte Naivität des Spiels in manchen volkstümlichen Stücken ist als ästhetischer Hyperbolismus lesbar, der die Schemahaftigkeit der Handlung und die Durchsichtigkeit der Figuren unterstreicht. Nicht nur übertreibendes Spiel, sondern auch underacting kann große Wirkung erzielen, etwa die Stoik von Buster Keaton oder das beiläufige Auslösen letztlich erfolgreich-positiver Katastrophen bei Leslie Nielsen.
Das Hyperbolische im Film ist so weniger eine rhetorische Figur als vielmehr eine rhetorische Strategie, die in Suprasegmentalia wie dem Schauspiel, der Kostümierung, im Einsatz von Zeitraffer und Zeitlupe und ähnlichem realisiert ist. Genres und Darstellungsformen wie Komödie, Satire, Parodie und Karikatur arbeiten natürlich gern mit hyperbolischen Strukturen. Darum auch sind die Filme Monty Pythons in der Nähe zur – immer auch hyperbolischen – Groteske als Genre.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW LK


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