Lexikon der Filmbegriffe

Malteserkreuz / Malteserkreuzgetriebe

engl.: Maltese cross movement, Maltese cross mechanism; manchmal spricht man auch vom Geneva movement

Das Problem eines ruckweisen Transportes des Filmbandes durch Kamera und Projektor stellte einige Jahre ein ernstes technisches Problem dar. T.A. Edison (1847-1931) und sein Mitarbeiter W.K.L. Dickson (1860-1935) hatten die Perforierung des Filmmaterials eingeführt. Es wird in vielen Filmgeschichten berichtet, die eigentliche Ausarbeitung und technische Realisierung des Malteserkreuzgetriebes habe der Berliner Ingenieur Oskar Meßter (1866-1943) übernommen, der dies auch in seinen Memoiren behauptet. Dabei war der intermittierende Mechanismus bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt: Der englische Ingenieur J. Beale hat es nach zeitgenössischen Aussagen für sein Choreutoscope – eine Apparatur zur Projektion von Glasplatten mit Bewegungsphasen – bereits um 1866 eingesetzt. Durch Patentschrift definitiv belegt ist der Rückgriff auf das Dispositiv durch den Amerikaner A. Brown 1869. Oskar Meßter selbst ließ sich bei der Reparatur eines Theatrographen des Engländers Robert Paul, der ein 7seitiges Kreuz verwandte, inspirieren und baute analog dazu 1896 sein Kameragetriebe. Dabei wird eine Schwungscheibe kontinuierlich angetrieben, die mit einer Stiftscheibe verbunden ist. Auf dieser sitzen ein Sperrbogen und ein Stift. Bei jeder Drehung tritt der Stift in einen Schlitz des eigentlichen Malteserkreuzes und dreht dieses um eine Viertelumdrehung, bis es den Schlitz wieder verlässt. Gleichzeitig schieben die Greifer, die in die Perforation packen, den Film um ein Einzelbild weiter. Sobald dieses passiert ist, sorgt der Sperrbogen dafür, dass sich das Malteserkreuz nicht weiter drehen kann, das Bild steht still. Während der Stift eine dreiviertel Runde weiterdreht, kann das eigentliche Bild projiziert werden. Das Getriebe führt 24 derartige Schaltvorgänge pro Sekunde aus, 1.440 in der Minute, mehr als 200.000 während der Vorführung eines einzigen Films. Dabei darf sich das Material des Malteserkreuzgetriebes kaum abnutzen, weil auch das kleinste Spiel im Malteserkreuz direkt über die Schaltrolle auf die Filmposition des zu projizierenden Bildes auswirkt. Bildstandsfehler sind auffällig und wirken ungemein störend. Um möglichst hohe Stabilität zu erreichen, läuft das Malteserkreuz-Getriebe darum in einem geschlossenen Ölbad.

Referenzen:

Filmtransport


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: JH


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