Lexikon der Filmbegriffe

Mehrsprachenfilm

Ein Produktionsverfahren, dessen Hochphase zwischen 1929 und etwa 1934 lag. Um Filme auf dem internationalen Markt auswerten zu können, mussten die Sprachbarrieren nun mit Hilfe des gesprochenen Wortes überwunden werden. In Ermangelung eines zufriedenstellenden Synchronisationsverfahrens wurden Spielfilme bei gleicher Handlung, Kostümierung und Kulisse Einstellung für Einstellung mit verschiedensprachigen Darstellerteams produziert, letztlich der gleiche Film mehrmals gedreht, wobei die Darsteller jeweils in ihrer Muttersprache kommunizierten und Co-Regisseure zu ihrer Anleitung hinzugezogen wurden. Diese Produktionsmethode erwies sich aber nur als lukrativ, solange die Erträge auf dem internationalen Markt die Mehraufwendungen für mehrere Darstellerstäbe und Drehbuchvariationen rechtfertigten und das Publikum einheimische Stars bevorzugte. Nicht alles ließ sich 1:1 von Deutschland nach Frankreich oder Großbritannien oder umgekehrt transferieren aufgrund kultureller Differenzen zwischen dem heimischen Produktionsstab und dem ausländischen Zielpublikum. Prominente Filmbeispiele waren Atlantic (E.A. Dupont, Großbritannien 1927) oder F.P.1 antwortet nicht (Deutschland 1932, Karl Hartl).

Literatur: Michaela Krützen: "Esperanto für den Tonfilm". Die Produktion von Sprachversionen für den frühen Tonfilm-Markt. In: Positionen deutscher Filmgeschichte. Hundert Jahre Kinematographie: Strukturen, Diskurse, Kontexte. Hrsg. v. Michael Schaudig. München: Diskurs FilmVerlag 1996, S. 119-154.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: KJ


Zurück