Lexikon der Filmbegriffe

Mentor

Mentor war ein enger Freund des Sagenhelden Odysseus und der Erzieher von dessen Sohn Telemach, dem er ein Leben lang als Ratgeber und Vertrauter zur Seite stand. Allgemein ist ein „Mentor“ nach diesem Vorbild eine Gestalt, die Führung und umsichtige Unterweisung verspricht. Der „mentor“ taucht vor allem in der mythologisch orientierten Drehbuchliteratur (Joseph Campbell, Christopher Vogler) auf und bezeichnet dort eine narrative Funktionsfigur: Bevor der Held dem Ruf der Geschichte folgt und in die Fremde aufbricht, bedarf es danach eines Mentors, der ihm hilft, seine Angst zu überwinden, ihn auf die Begegnung mit dem Unbekannten vorzubereiten und ihn möglicherweise mit magischen Waffen oder klugen Hinweisen auszustatten, der ihn manchmal auch auf Charakterschwächen hinweist, die der Held ablegen muss, will er das Abenteuer bestehen. Diese Helferfigur kann mehrfach in einer Geschichte auftreten, sie kann auf verschiedene Handlungsfiguren aufgeteilt sein, sie kann in verschiedener Gestalt auftreten oder sogar eine innere Stimme des Helden oder die Stimme Gottes selbst sein. Mentoren sind oft weise alte Männer oder Frauen, die zudem in ihrer Jugend selbst ausgezogen waren und zum Helden ihrer Geschichten geworden sind.
Manchmal sind Mentoren verdeckte Verführer oder sogar Gegner des Helden und wollen ihn zerstören. So kann sich in einem Thriller hinter der Maske eines Mentors eine Kraft verbergen, die den Helden in Gefahr bringen will. Manchmal gar verleitet ein „dunkler Mentor“ den Helden zu verbrecherischen Aktionen, die ihn auf jeden Fall mit Schuld beladen, ihn seine bürgerlichen Ehrsamkeit entkleiden und ihn sogar in die Todeszelle bringen können.

Literatur: Campbell, Joseph: The hero with a thousand faces. New York: Pantheon Books 1949 (Bollingen Series, 17.); dt.: Der Heros in tausend Gestalten. Frankfurt [...]: Insel 1999 [u.ö.]. – Vogler, Christopher: The writer‘s journey. Mythic structure for storytellers and screenwriters. Los Angeles: Michael Wiese 1992. Dt.: Die Odyssee des Drehbuchschreibers. Frankfurt: Zweitausendeins 1997.

Referenzen:

meeting with the mentor


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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