Lexikon der Filmbegriffe

Olympiade: Olympia-Dokumentationen

Der gewaltige Aufwand, mit dem Olympiaden veranstaltet werden, die außerordentliche symbolische Bedeutung, die sie haben, und die immense öffentliche Aufmerksamkeit, die sie mobilisieren, haben schon früh Filmemacher für das Sujet interessiert. Das sportliche Geschehen wird dann nicht bloß dokumentiert, sondern geradezu kultisch gefeiert. Leni Riefenstahls Olympia-Doppelfilm Fest der Völker und Fest der Schönheit (1936) ist der künstlerische Versuch, die Elemente Sport, Körperlichkeit und natürliche Schönheit zusammenzuführen, ihnen einen visuellen und rhythmischen Ausdruck zu geben und sie in den Leib-, Bild- und Geschlechtsvorstellungen des Faschismus zu interpretieren. Neben Auftragsdokumentationen, die spätestens seit den Spielen in Stockholm 1912 entstanden, sind immer wieder Filme vorgestellt worden, die explizit künstlerische Ansprüche hatten. Dazu rechnet Olympia ‘52 (1952), der Debütfilm von Chris Marker. Berühmt wurde Kon Ichikawas Tokio 1964 (1964), der nicht nur durch seinen immensen Aufwand (164 Kameramänner hatten das Material gefilmt), sondern auch durch die hypnotisierende Konzentration auf die Bewegungsabläufe bekannt wurde; allerdings verfügte das Olympische Komitee eine Kürzung des 170minütigen Films auf eine Kinolänge von nur 93 Minuten. Zu den bemerkenswerten Olympia-Filmen gehört schließlich München 1972 (1973) – bekannter unter seinem internationalen Titel Visions of Eight. Er ist ein Omnibusfilm, in dem acht Regisseure (u.a. Milos Forman, Arthur Penn, Claude Lelouch, Michael Pfleghar) die Olympischen Spiele von München in sehr unterschiedlichen Stilen dokumentieren. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: GF JH


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