Lexikon der Filmbegriffe

snuff

engl.: to snuff out = das Leben auslöschen, ein Ende bereiten (neben anderen Bedeutungen)

Snuff-Filme verdanken ihren Reiz dem Versprechen, dass die in ihnen gezeigte Gewalttat nicht gespielt, sondern authentisch ist. Die Frage, ob es im Unterhaltungsfilm tatsächlich Tötungsdelikte vor laufender Kamera gibt oder ob man es dabei mit einem um Sensation bemühten PR-Versprechen zu tun hat, das dem Zuschauer mehr als den üblichen Reiz beim Sehen und Hören von Sex-, Mord- und Horrorszenen verspricht, wird oft in den Bereich der urbanen Legenden verwiesen. Den Mythos des Snuff-Films gibt es seit den frühen 1970er Jahren zunächst für billige Pornofilme mit extremen Gewaltszenen. Als eigentlicher Ursprung des Begriffs gilt ein unbedeutender argentinischer Film mit dem Titel Slaughter, dessen Geschichte sich an die Ermordung der Schauspielerin Sharon Tate durch die Manson-Sekte anlehnte; der Film wurde von dem Filmverleiher Alan Shackleton günstig aufgekauft, mit einem bluttriefenden Finale versehen und unter dem Titel Snuff 1976 in New York erstaufgeführt. Die neu eingefügten Szenen sollten höchst realistisch die Ermordung einer Schwangeren darstellen. In den 1990er Jahren wurde die Snuff-Frage mehrfach zum Thema von Filmen – Beispiele sind Alejandro Amenábars Tesis (Spanien 1996), C‘est arrive pres de chez vous (Mann beißt Hund, Belgien 1992) von Rémy Belvaux, André Bonzel und Benoît Poelvoorde oder Joel Schumachers 8mm (USA 1999).
Der Reiz des Verbotenen, Strafbaren, Authentischen und Elitären vermischt sich in der mythischen Filmform des Snuff. Im Nachhinein wurden vorgebliche Snuff-Filme meist als Täuschungen entlarvt, die ein offenkundig vorhandenes Publikumsinteresse bedienten – ob Interesse an derartigem Material oder an Tabuverletzung, ist kaum zu entscheiden. Unentscheidbar ist auch, ob es abseits des normalen Filmmarktes nicht dennoch solche Gewaltexzesse für die und vor der Kamera gibt. 

Literatur: Benecke, Mark: Snuff. Filmhistorische Anmerkungen zu einem aktuellen Thema. In: Archiv für Kriminologie 209, 2002, S. 45-50. – Johnson, Eithne / Schaefer, Eric: Soft Core/Hard Gore: Snuff as a Crisis In Meaning. In: The Journal Of Film And Video 45,2-3, 1993, S. 40-59. – Svoray, Y.: The Gods of Death. One man hunts the truth about Snuff-films. New York: Simon & Schuster 1997.
 

Referenzen:

Mondo-Filme

shockumentary

thrill kill movies

urbane Legenden: Film


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KJ


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