Lexikon der Filmbegriffe

Handelsregister

Insbesondere für die Forschungen zum frühen Film sind die Handelsregister eine wichtige Quelle. Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung wurden von Beginn an in die örtlichen Handelsregister eingetragen. Berlin war immer die Stadt, in der in Deutschland am meisten Filmfirmen angemeldet waren. Von den rund 1.000 Firmen (bis 1914) gab es dort ca. ein Drittel aller Firmen, z.T. als Filialen. Diese Listen wurden ab 1900 reichsweit veröffentlicht und bis 1945 in einer Liste erfasst.
Von ähnlicher Bedeutung sind die Jahresgeschäftsberichte: Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften mussten einen jährlichen Geschäftsbericht herausgeben. Ein Verlag sammelte diese Jahresberichte und veröffentlichte sie. Eine Zusammenstellung ergab über 300 Firmen zwischen 1895 und 1945. Bislang unbearbeitet sind die Geschäftsberichte der Firmen in der Nazizeit (1933-45), an denen erkennbar ist, welche Firmen rasch, welche langsam Einfluss des Nationalsozialismus erkennen lassen. Ein Beispiel sind die Geschäftsberichte der IG-Farben-Fabrik: In den Zensurlisten sind überraschend viele Filme von der IG-Farben-Fabrik in der Spalte „Antragsteller“, oft auch in der Spalte „Urheber“ aufgeführt. In vielen Fällen scheinen es Duplizierungskopien auf dem speziellen Filmmaterial der Firma zu sein, oft auch als 16mm-Filme. Eigenartigerweise wird diese Produktion in den Jahresberichten nicht einmal erwähnt. Nur der Firmenabschnitt „Filmmaterial“ wird kurz aufgeführt.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: HBi


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