Lexikon der Filmbegriffe

LEF

Die von Vladimir Majakovskij und Ossip Brik im Jahre 1923 gegründete und in Moskau herausgegebene Zeitschrift LEF wurde zum Sprachrohr des linken Flügels des sowjetischen Avantgarde (Levyi Front Iskusstv = Linke Front der Kunst). Andere Mitarbeiter der Zeitschrift waren Nikolai Aseev, Boris Arvatov, Sergei Tretjakov und Alexandr Rodchenko. Dort veröffentlichte Dziga Vertov seine ersten Manifeste gegen den Spielfilm, die ersten Essays von Eisenstein und Vsevolod Meyerhold erschienen hier. Auch Viktor Shklovskij schrieb für die Zeitschrift, für die Rodchenko alle Titelseiten entwarf. Es gibt ein berühmtes Rodchenko-Photo von Ossip Brik, in dem auf dem linken Brillenglas LEF erscheint.
1925 wurde die Zeitschrift eingestellt, möglicherweise wegen des zunehmenden politischen Drucks der sowjetischen Kulturbehörden gegen linke Strömungen in der Kunstszene. Majakowksij gründete Novy LEF im Jahre 1927, welche sich auf die „dokumentarische Kunst und Literatur der Wirklichkeit“ spezialisierte, doch auch diese Zeitschrift war kurzlebig und musste 1928 wieder eingestellt werden. Mit der Festigung der stalinistischen Kulturpolitik Ende der 1920er Jahre kommen fast alle Künstler der LEF unter Beschuss. Majakovskij selbst wird von der geheimen Saatspoliziei (Tsheka) verfolgt. Er beging im April 1930 Selbstmord. Im neuen Russland des 21. Jahrhunderts werden Majakovskij und sein Kreis paadoxerweise als Propagandisten des Totalitarismus gehandelt.

Literatur: Stephan, Halina: "Lef" and the left front of the arts. München: Sagner 1981. – Wilbert, Gerd: Entstehung und Entwicklung des Programms der "linken" Kunst und der "linken Front der Künste". Zum Verhältnis von künstlerischer Intelligenz und sozialistischer Revolution in Sowjetrußland. Giessen: Schmitz 1976. – Sorensen, Janet: "Lef," Eisenstein, and the politics of form. In: Film Criticism 19,2, 1994, S. 55-74.


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: JCH


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