Lexikon der Filmbegriffe

Interministerieller Ausschuß für Ost/West-Filmfragen (IMA)

auch: Interministerieller Ausschuß (IA)

Der IMA wurde 1954 als „Interministerieller Filmprüfungsausschuß (IMF)“ gegründet; er sollte vor allem Filme aus den Ostblockstaaten daraufhin prüfen, ob sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdeten. Der Ausschuss war aus Ministerialbeamten aus Wirtschafts-, Justiz-, Innen- und Außenministerium, Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen, Presse- und Informationsamt und wahrscheinlich aus dem Verteidigungsministerium besetzt. Bis zu seiner Auflösung 1973 – er war 1967 als für verfassungsunwürdig erklärt worden – war die rechtliche Grundlage, auf der der Ausschuss als Zensurbehörde auftrat, unklar, der Ausschuss selbst wurde von Beginn an von der liberalen Presse attackiert. Als spektakulärste Zensurentscheidung gilt bis heute die Zurückweisung des DEFA-Films Der Untertan (DDR 1951, Wolfgang Staudte) nach Heinrich Manns Roman, der erst 1957 in der BRD gestartet wurde; er war um 12 Minuten gekürzt worden und mit einem die Grundaussage des Films verkehrenden Vorspruch versehen worden, dass die Karriere des Diederich Heßling nur ein „Einzelschicksal“ darstelle.

Literatur: Buchloh, Stefan: "Pervers, jugendgefährdend, staatsfeindlich". Zensur in der Ära Adenauer als Spiegel des gesellschaftlichen Klimas. Frankfurt: Campus 2002, S. 183-286. – Seim, Roland: Zwischen Medienfreiheit und Zensureingriffen: Eine medien- und rechtssoziologische Untersuchung zensorischer Einflußnahmen auf bundesdeutsche Populärkultur. Münster: Telos Vlg. 1997, 161-173, passim.


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: DKA


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