Lexikon der Filmbegriffe

Zensurkarte

Als 1906 die polizeiliche Filmzensur für Berlin eingerichtet wurde, musste jeder Film vor der Vorführung bei der Polizei eingereicht werden. Das Ergebnis der Zensur wurde im Polizeipräsidium gespeichert. So musste jeder Kinobesitzer seine Vorführliste einreichen und erhielt sie mit entsprechenden Vermerken zurück. Die Überlegungen, ob man in den Film das Zensurergebnis einpressen solle, wurden aber doch bald fallen gelassen. Herr Effing, der Direktor der Internationalen Kinematographen- und Lichtbildgesellschaft, machte den Vorschlag, für jeden Film eine Zensurkarte mit dem Zensurergebnis zu drucken und jeder Kopie mitzugeben, so dass man sich die Listen und deren Prüfung ersparen könne. Mit der Zeit wurden sie sehr gut konstruiert: Titel, Produktion, Vertrieb, Mitwirkende, Zwischentitel und Längenangaben.
Seit 1911 wurden die Filmtitel, die nicht vollkommen frei waren, in Listen von der Polizeizensurstelle in Berlin veröffentlicht und von den meisten Orten des Norddeutschen Bundes als weitgehend verbindlich anerkannt. Bayern begann 1912 mit der gleichen Methode. Andere Bundesstaaten wichen davon ab: Dresden stempelte die Filme, Stuttgart und Düsseldorf richteten ihre Zensurstellen erst später ein, aber nur Düsseldorf veröffentlichte die Zensurentscheide ab 1915. Stuttgart hat leider alle Unterlagen wegen Platzmangel vernichtet.

Literatur: Birett, Herbert: Lichtspiele. München: Q-Verlag 1994. – Kilchenstein, Gabriele: Frühe Filmzensur in Deutschland. München: Diskurs Film 1997.

Referenzen:

Polizeifilmzensur

Reichsfilmzensur: Zensurkarte


Artikel zuletzt geändert am 04.01.2012


Verfasser: HBi


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