Lexikon der Filmbegriffe

Drehbuch: Pragmatik

Das Drehbuch ist in einem engen Sinne der Text, nach dem ein Film inszeniert wird. In einem ökonomischen Sinne fundiert das Drehbuch ein Vertragsverhältnis: Mit zunehmender Größe der Produktion wurde es notwendig, den Autor schriftlich zu verpflichten, ein „Buch“ für den zu verfilmenden Stoff abzuliefern, wofür ihm wiederum besondere Leistungen des Produzenten zustehen. Als pragmatische Tatsache ist ein Drehbuch eine Übereinkunft über das „Zu-Drehende“. Es kann in einem solchen Verständnis von seiner materialisierten Form losgelöst werden; auch mündliche Übereinkünfte und Absprachen lassen sich als „Drehbuch“ zu betrachten. Insofern ist das Drehbuch nicht zwangsläufig ein Text im wörtlichen Sinn. Die Motivation dafür, den Begriff so weit zu spannen, liegt darin, damit auch Verfahrenstechniken des frühen Kinos in eine Geschichte der Drehbuchpraxis miteinbeziehen zu können, unabhängig davon, ob es nun ein Drehbuch in verschrifteter Form gegeben hat oder nicht: In den Köpfen der Beteiligten gab es auf jeden Fall eines, das das Ergebnis auch der Arbeit von denjenigen war, die sich nur an der Entwicklung der Geschichte beteiligt hatten. Es hat im Übrigen auch später noch im Studio-System angestellte Leute gegeben, die Drehbücher mit Ideen und Dialogzeilen aufbesserten. Einige von ihnen haben nie eine Zeile aufs Papier gebracht – und dennoch rechnen sie zu den Drehbuchautoren. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CT


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