Lexikon der Filmbegriffe

Drehbuch-Konferenz

auch: Drehbuch-Sitzung, Story-Konferenz; engl.: story conference

Regelmäßige Sitzungen, die die Entwicklung eines Drehbuchs begleiten, gibt es seit Mitte den 1910er Jahre. Thomas Ince war der erste Produzent, der die Filmproduktion effizienter machte, indem er Wert auf ein detailliertes Drehbuch legte. Alles, was am Papier verbessert werden konnte, war schließlich billiger, als Szenen noch einmal drehen zu müssen. In der Organisation und Struktur der Filmproduktion in den USA wurde sie erst gegen Ende der Stummfilmzeit zur Norm. Die Einführung ist eng mit dem Namen Irving Thalberg verbunden, der die Entwicklung der Drehbücher seiner Produktionen genau überwachte; er suchte die Drehbuchautoren aus, zog sie wieder ab, zog neue hinzu. Diese Produktionsweise war keineswegs willkürlich, sie versuchte vielmehr, die jeweils besten Kräfte für einen Film zu vereinen. Drehbuch-Konferenzen gehörten im Studio-System zum täglichen Geschäft. Schließlich wurden und werden immer mehr Filme entwickelt als gedreht. Die Sitzungen wurden protokolliert, was nicht nur der Dokumentation, sondern vor allem der Kontrolle von Drehbuchautoren (aber auch Produzenten) diente.
Die Hierarchie in einer Drehbuch-Konferenz des Studio-Systems war klar: Ganz oben rangierte der Produzent, der Autor war Angestellter und musste die Anordnungen und Wünsche möglichst kreativ und inspiriert umsetzen. Regisseure wurden in der Regel erst gegen Ende der Drehbuchentwicklung – wenn überhaupt – in die Sitzungen miteinbezogen. Nach dem Ende des Studio-Systems ist diese klare Hierarchie verschwunden. Script-Doktoren werden mitunter herangezogen, das Drehbuch zu verbessern, Schauspieler können bei entsprechendem Marktwert das Drehbuch bzw. ihre Rolle verändern.

Literatur: Lucey, Paul: Story sense. Writing story and script for feature films and television. New York [...]: McGraw-Hill 1996, S. 330-338. – Vidor, King: The Story Conference. In: Films in Review 36, June/July 1952, S. 266.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CT


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