Lexikon der Filmbegriffe

Gang-Film

von engl.: gang = Gruppe, Clique; verwandt mit den Slangausdrücken: gangster, gangsta, gansta

Dass sich Jugendliche in „Gangs“ (dt. etwa: Jugendbanden) organisieren, ist eine Tatsache, die nicht neu ist und die in Filmen und Serien wie der Bande der „kleinen Strolche“ (Our Gang, 1922ff) als durchaus liebenswerte kindliche und pubertäre Sozialform behandelt wurde. Und auch die latente Außerbürgerlichkeit der Gangs war immer wieder Thema – im Biker-Film etwa (wie The Wild One, 1953, Laszlo Benedek) werden Rocker als spezifische Organisationsform von Jugendlichen dargestellt. Eines der bedeutendsten Genres, das weniger dem Zusammenfinden von altersspezifischen Cliquen gewidmet ist als vielmehr die Realität der Lebensverhältnisse in den großen Städten reflektiert, ist der neuere Gang-Film. Walter Hills The Warriors lieferte 1979 die Blaupause für den modernen Gang-Film. Der Film bot furiose Straßenkämpfer-Action mit einem Dutzend durchstilisierter Straßengangs wie den „Clowns“, den „Riffs“, der Girl-Gang „The Lizzies“, den Teddy-Boys „The Boppers“. Als die „Warriors“, die härteste Gang New Yorks, des Mordes an einem der Anführer einer anderen Gruppe bezichtigt werden, müssen sie sich aus der Bronx bis nach Coney Island auf die andere Seite der Stadt durchschlagen. In John Carpenters Escape from New York (1981) hatte die Polizei bereits die Waffen gestreckt. Da sie der Gewalt in den Straßen nicht mehr Herr werden konnte, errichtete sie kurzerhand eine Mauer um Manhattan. Innerhalb der Mauern Manhattan herrscht das Recht des Stärkeren, marodierende Banden haben die Kontrolle übernommen. Filme wie Boyz in the Hood (1991) oder Menace II Society (1993) zeigten, wie die zunehmende Gewalt in den Ghettos das soziale Milieu gerade in Stadtvierteln, in denen sich Armut, Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt massieren, verändern und dass die Organisation von Jugendlichen in Gangs eine Antwort auf die zunehmende Unfähigkeit der Städte ist, friedfertige und friedfähige öffentliche Räume zu schaffen. Die Differenzierung der Städte in exklusive, massiv überwachte Innenstadtbereiche, bürgerliche Vorstädte und ghettoartige Viertel der Sozialschwachen an der Peripherie der Städte ist eine weltweit zu beobachtende Entwicklung und spiegelt sich in französischen Banlieue-Filmen, in deutschen Produktionen wie Knallhart (BRD 2006, Detlev Buck), aber auch in Dritte-Welt-Filmen wie Tsotsi (Südafrika 2005, Gavin Hood) und Cidade de Deus (Brasilien 2002, Fernando Meirelles).

Referenzen:

banlieue cinema

girl gang film

hood film


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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