Lexikon der Filmbegriffe

Newman & Sinclair

Der Techniker Arthur Samuel Newman und der Kaufmann James Sinclair gründeten 1909 die Firma Newman Sinclair Ltd., die Kamera- und Filmausrüstungen vertrieben. Sie waren vor allem bei der Ausrüstung von Expeditionen, aber auch von Kriegsphotographen erfolgreich. Der Photograph Herbert George Ponting nahm z.B. eine Newman-Sinclair-Kamera mit auf die Scott-Expedition zum Südpol. Die Kameras der Firma (u.a. Kine 1, ab 1910; Reflex Kinama, ab 1912) waren schnell bekannt für ihre Robustheit und kamen in zahlreichen dokumentarischen Projekten, aber auch in industriellen und militärischen Kontexten zur Anwendung. Newman war z.B. an der Entwicklung der Luftbildkamera von Kasimierz Proszynski beteiligt, die ab 1912 von Newman Sinclair gefertigt wurde.
1927 stellten Newman & Sinclair ihre wohl bekannteste Filmkamera vor – aus temperaturunempfindlichen Duraluminium gefertigt, einem Leichtmetall, mit einem 35mm-Objektiv versehen (andere Optiken ließen sich erst später anbringen), von einem Federwerksmotor angetrieben, der 60m-Rollen Film transportieren konnte. Ein Trageriemen machte ebenso wie das geringe Gewicht deutlich, dass die Kamera von Beginn an für den mobilen Einsatz gedacht war. Eine Handkurbel war vorgesehen, konnte im Notfall an die Stelle des Ferderwerks treten. Mit der Kamera konnte man auf- und abblenden. Dokumentaristen wie Robert J. Flaherty (Man of Aran, 1934), John Grierson (Drifters, 1929), Humphrey Jennings und Basil Wright (Song of Ceylon, 1934) arbeiteten mit der Kamera, die für nahezu 30 Jahre eine der wichtigsten Kamera für Dokumentaristen blieb.
Als Stanley Kubrick 1971 bei den Dreharbeiten zu A Clockwork Orange sechs Newman-Sinclair-Kameras mit dem Objektiv voran auf dem Boden zerschellen ließ, um einen Selbstmordversuch des Protagonisten als subjektive Aufnahme zu verfilmen, war dieses auch als ironischer Abgesang auf eine Phase der Kamera-Geschichte zu lesen.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: AS


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