Lexikon der Filmbegriffe

Amateurfilm

engl.: home movie

Gattung von Filmen, die typischerweise in Schmalfilmformaten (8mm, Super-8, 9,5mm, 16mm), mit Video- oder digitaler Kamera gedreh sind und – ähnlich wie in der Amateurfotografie – private Erinnerungen ohne professionelle Ambitionen oder Kunstanspruch enthalten. Der Privatheit ihrer Entstehung entspricht, dass Amateurfilme – besonders die Variante des home movie – in der Regel nicht in der Öffentlichkeit gezeigt werden; es sei denn, die FilmemacherInnen hätten zufällig eine Sensation, ein „historisches Ereignis“ erfasst (das Attentat auf John F. Kennedy, den Anschlag auf das World Trade Center). Außerdem kommt es vor, dass professionelle Filmemacher und -macherinnen Amateurmaterial verwenden; dabei wird dieses Material deutlich vom Kontext abgesetzt (durch Farbmarkierung, Anlehnung an die Stilistiken des Amateurfilms etc.), um die Intimität der Filme für die Erzählung zu nutzen. Oft sind diese Szenen sentimental aufgeladen – als Rekurs in die Kindheit, wenn Protagonisten ihre eigenen Filme durchsehen, als allgemeine Klage über das Vergehen der Zeit, als melancholischer Hinweis auf die Authentizität der Erzählung. Dies gilt nicht nur für Spielfilme, sondern auch für Experimentalfilme (Found Footage, Kompilationsfilm), insbesondere im Fall von Autobiografien.


Beispiele: Onze indische Reis (anonym, Niederlande 1924); Rural Life in Maine (E. Woodman Wright, USA ca. 1930); Mein Krieg (Harriet Eder, Thomas Kufus, BRD 1990).

Literatur: Kuball, Michael: Familienkino. Geschichte des Amateurfilms in Deutschland. 1. 1900-1930. 2. 1931-1960. Reinbek: Rowohlt 1980. – Odin, Roger (dir.): Le film de famille: Usage privé, usage public. Paris: Méridiens-Klincksieck 1995. – Schlager, Franz: Amateurfilm in Österreich. An Beispielen des persönlichen Gebrauchs. Wien: Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ) 1992. – Schneider, Alexandra: Die Stars sind wir. Heimkino als filmische Praxis in der Schweiz der Dreissigerjahre. Marburg: Schüren 2004. – Zimmermann, Patricia R.: Reel families. A social history of amateur film. Bloomington, Ind. [...]: Indiana University Press 1995 (Arts and politics of the everyday.). – Themenheft „Das Private“ = Cinema, 44, (Zürich: Chronos) 1998.
 

Referenzen:

cinéma naïveté

home movie

Kamerafilm

Privatfilm

Schmalfilm


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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