Lexikon der Filmbegriffe

Aktion Saubere Leinwand

Von Beginn des 20. Jahrhunderts spielte die Frage, ob die Darstellung von Sex und Gewalt zur Verrohung der sittlichen Ordnung beitrüge, in Deutschland ähnlich wie in vielen anderen Ländern eine wichtige Rolle. Als Ingmar Bergmans Tystnaden (1963) aufgeführt wurde, formierte sich im Spätsommer 1964 zunächst im bayerischen Schweinfurt, später in vielen anderen Kommunen die sogenannte „Aktion Saubere Leinwand“. Ihr Ziel war es, laut eigener Bekundung gegen die steigende Flut der schmutzigen Filme vorzugehen. Der Jurist und CDU-Abgeordnete Adolf Süsterhenn (Heinrich Böll: „Professor Lüsterhahn“) suchte die Anliegen der Aktion sogar in die Gesetzgebung einzubeziehen (der Art.5 Abs.3 GG sollte dahingehend geändert werden, dass Kunst und Wissenschaft nicht nur der Verfassung, sondern auch einer allgemeinen „sittlichen Ordnung“ verpflichtet werden sollten) – obwohl das Anliegen am 19.3.1964 eine Mehrheit der CDU-Abgeordneten im Bundestag hinter sich scharen konnte, zog es der CDU-Ältestenrat im Sommer 1964 wieder zurück, weil es zu heftigen Debatten in der CDU gekommen war, in der den Verfechtern der Aktion Eiferertum und ein verfehlter Griff zu totalitären Methoden der Öffentlichkeitskontrolle vorgeworfen worden war. 1965 distanzierten sich auch die Kirchen von der Aktion, die Anfang 1966 schließlich offiziell für beendet erklärt wurde. 


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: HHM


Zurück