Lexikon der Filmbegriffe

Medien und Politik

Politische Systeme bedürfen der Vermittlungsleistungen der Massenmedien, sei es, um demokratische Öffentlichkeiten hervorzubringen, sei es, um propagandistisch auf die Bevölkerung einzuwirken. In demokratischen Systemen wird den Medien oft die Rolle einer „vierten Gewalt“ (neben Legislative, Judikative und Exekutive) zugewiesen, weil ihnen Informations-, Meinungsbildungs-, Kritik- und Kontrollfunktionen zukommen. Systemisch hängen Medien und Politik eng zusammen: Das politische System bezieht z.T. seine öffentliche Legitimation aus den Medien, die Medien sind umgekehrt auf Informationen aus der Politik angewiesen, um ihrer Berichterstattungspflicht nachzukommen. (1) Politik stellt sich auf die Medien ein, indem sie ihre Informationsangebote auf die Selektions- und Darstellungsregeln der Politik abstimmt, politische Akteure betreiben aktive PR-Arbeit, um Themen und Figuren der Politik zu öffentlichen Gegenständen zu machen. Insbesondere zu Wahlkampfzeiten ist die Öffentlichkeitsarbeit der politischen Akteure inzwischen von professionellen Öffentlichkeits-Arbeitern unterstützt (oder sogar in Gänze gestaltet). (2) In der Medienpolitik wiederum gestalten politische Akteure und „gesellschaftlich relevante Gruppen“ den rechtlichen Rahmen der Medien. Parteien und organisierte Interessen kontrollieren in den Medienanstalten und Rundfunkräten den Rundfunk und haben in den öffentlich-rechtlichen Anstalten massiven Einfluss auf die Personalauswahl der Sender. (3) Insbesondere im Bereich der Informationsvermittlung haben sich oft enge personale Netze herausgebildet, zu denen Politiker und Journalisten gehören. Meist wird angenommen, dass die Mitgliedschaft symbiontisch zu beiderseitigem Gewinn beiträgt – exklusivem Zugang zu Informationen einerseits, Einfluss auf Präsenz in der Öffentlichkeit andererseits ermöglichend.
In Folge der Dualisierung des deutschen Rundfunksystems 1984 besteht zunehmend die Gefahr, dass Politik zu einem marginalen Segment des Gesamtprogramms wird und so die Öffentlichkeits- und Integrationsfunktion der Medien verloren geht. Der Druck auf die Politik, sich stärker den vor allem im Fernsehkonsum dominanten Unterhaltungsbedürfnissen anzupassen, wächst, und es kommt zu einer Professionalisierung der medialen Präsentation der Politik durch politische Akteure. Politik wird stärker personalisiert, die Ansprache des Publikums wird emotionalisiert. Formate wie Talk-Shows kommen der neuen öffentlichen Erscheinung des Politischen entgegen. Ob sich das Politische im Zuge des Übergangs zu „Politainment“ selbst verändert, gar zur Bedeutungslosigkeit absinkt und in einen nur noch Eliten zugänglichen Hintergrund politischer Macht verschoben wird, ist noch kaum entscheidbar.

Literatur: Jarren, Otfried (Hrsg.): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch mit Lexikonteil. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Vlg.1998. – Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. Opladen: Westdeutscher Vlg. 1995. Zahlr. Nachdr. – Sarcinelli, Ulrich (Hrsg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Vlg. 1998.


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: HHM


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