Lexikon der Filmbegriffe

Nordisk Films-Kompagni

Der Vergnügungsparkbesitzer Ole Olsen gründete im April 1905 in Kopenhagen ein Kino. Schon 1906 entstand die Nordisk Films-Kompagni og Biograf-Theater Aktieselskab in Valby nahe Kopenhagen, wo das Unternehmen bis heute seinen Sitz hat. Noch im gleichen Jahr wurde eine Filiale in New York gegründet, andere internationale Niederlassungen folgten in den nächsten Jahren. Seit dem 1.1.1907 firmiert die Nordisk allein, der Kinobetrieb wurde ausgegliedert; 1911 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Von Beginn an wurde in großer Breite produziert (1906 sollen schon 200 Filme, darunter 40 Spielfilme entstanden sein). Der pseudodokumentarische Sensationsfilm wurde das wichtigste Genre der Frühzeit der Firma. Zwischen 1910 und 1916 liegt die „goldene Zeit“ der Firma. Erst der Weltkrieg und die dadurch verursachten Probleme in der internationalen Vermarktung, insbesondere der Zwang, die deutsche Niederlassung in die neugegründete Ufa einzubringen, führten zu einer tiefen Krise, die 1920 – mit einer Produktion von nur noch 8 Filmen – ihren Höhepunkt erreichte. Olsen, der seine eigenen Aktien schon 1914 verkauft hatte, verließ die Nordisk 1924. Regisseure wie Carl Theodor Dreyer, vor allem der Finanzmakler Carl Bauder, der die Nordisk mit der Nordisk Tonefilm fusionierte, retteten die inzwischen konsolidierte Firma in die Tonfilmzeit; bis 1939 entstanden ca. 30 Filme pro Jahr. In der Besatzungszeit wurde das Studio teilweise zerstört. Doch die Reorganisation der Nordisk durch Holger Brøndum (ab 1944), namhafte dänische Regisseure, der Spezialpreis in Cannes 1957 für Erik Ballings Qvivitoq, die 13 Filme umfassende Reihe der Olsen-Bande-Filme (1968-81) – die Nordisk blieb die wichtigste und mächtigste dänische Filmproduktion. 1987 wurde die Nordisk Film Broadcast als fernsehbezogene Produktionsgesellschaft gegründet – im gleichen Jahr erhielt Bille Augusts Pelle Erobreren als erster dänischer Film den großen Preis in Cannes und Gabriel Axels Babettes gæstebud (1987) den Oscar als Bester Auslandsfilm. 1992 wurde Nordisk vom Egmont-Konzern, einem skandinavischen Medien-Mischkonzern, übernommen, firmiert aber unter dem angestammten Namen weiter. Die Firma beschäftigt heute (Stand: 2006) 1.200 Angestellte.

Literatur: Bergsten, Bebe: The great Dane and the Great Northern Film Company. Los Angeles: Locare Research Group 1973. – Lange-Fuchs, Hauke: 100 Jahre Nordisk Film. 1906-2006. Dokumentation. Lübeck: Schmidt-Römhild 2006. – Mottram, Ron: The Great Northern Film Company: Nordisk Film in the American Motion Picture Market. In: Film History 2,1, 1988, S.71-86.


Artikel zuletzt geändert am 20.07.2011


Verfasser: JH


Zurück