Lexikon der Filmbegriffe

Synchrese

von Michel Chion eingeführtes Kofferwort aus: Synthese und Synchronismus/Synchronität

Mit dem Kunstwort Synchrese wird der Verschmelzungsprozess bezeichnet, der bei gleichzeitiger Darbietung eines akustischen und eines visuellen Reizes stattfindet, die mental fusioniert werden und zur Vorstellung eines wesenhaften Zusammenhangs des Gesehenen und Gehörten führt. Diese Fusionierung bildet die Grundlage für alle Synchronisationstätigkeiten, die z.B. zur Vorstellung synthetischer Figuren beitragen. Oft entsteht so aber auch der Eindruck nicht-realer Ereignisse. Ein Beispiel sind die Geräusche, die Faustkämpfen unterlegt werden, die einzelne Schläge akustisch akzentuieren. In den Bud-Spencer/Terence-Hill-Komödien oder manchen Kung-Fu-Filmen etwa steht so neben dem visuell ausgeführten Slapstick-Kampf eine zweite akustische Ebene, die eine eigene Physikalität erzeugt, die über die tatsächlich mit einem Schlag erzeugbare Körperlichkeit weit hinausgeht und die mit einem naturalistischen Sound gar nicht dargestellt werden könnte. Derartige Kämpfe sind rein synthetisch.

Literatur: Chion, Michel: Audio-Vision. Sound on Screen. New York: Columbia University Press 1994. Frz. Orig. 1990.
 

Referenzen:

Bauchrednereffekt


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: CA


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