Lexikon der Filmbegriffe

Werther-Effekt

Der Begriff „Werther-Effekt“ wurde 1965 von dem amerikanischen Soziologen David Phillips eingeführt, der sich für den Zusammenhang der Selbstmorde von Prominenten und meist jungen Nachahmern interessierte und tatsächlich einen eindeutigen Induktions-Effekt nachweisen konnte. Der Begriff weist auf den Goethe-Roman Die Leiden des jungen Werther (1774) zurück, von dem berichtet wird, dass er eine regelrechte Suizid-Epidemie unter jungen Menschen auslöste, was angeblich sogar die Behörden zu entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen veranlasste. Bis heute ist nach dem Tod Prominenter (wie Marilyn Monroe, James Dean, Kurt Cobain) immer wieder ein Ansteigen der Selbstmordraten Jugendlicher beobachtet worden. Aufgrund der drastischen Vorbildwirkung, die im Werther-Effekt zusammengefasst wird, spielt das Modell auch in zahlreichen Wirkungsdebatten eine Rolle, liefert es doch einer ebenso naiv wie populistisch angenommenen Vorbildwirkung der Medien Vorschub.

Literatur: Phillips, P. David: The Influence of Suggestion on Suicide. Substantive and Theoretical Implications of the Werther Effect. In: American Sociological Review 39,3, 1974, S. 340-354. – Steinberg, H.: Der "Werther-Effekt". In: Psychiatrische Praxis 26,1, 1999, S. 37-42. – Ziegler, Walther / Hegerl, Ulrich: Der Werther-Effekt. In: Der Nervenarzt 73,1, 2002, S. 41-49.


Artikel zuletzt geändert am 18.07.2011


Verfasser: HHM


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