Lexikon der Filmbegriffe

court-martial drama

dt. etwa: Militärgerichtsfilm

Kleines Subgenre des Kriegs- resp. Antikriegsfilms sowie des Gerichtsfilms, das Fälle von Auflehnung, Befehlsverweigerung, Feigheit vor dem Feind, Desertion u.ä. als Verhandlungen von Kriegsgerichten zeigt. Zwar ähneln Militärgerichtsfilme dem Gerichtsfilm – das Prinzip der Gegenüberstellung der Parteien, die Sonderrolle des Richters, die Notwendigkeit, Handlungen zu evaluieren (nicht sie auszuführen) –, doch ist die Sonderzuständigkeit der Militärgerichtsbarkeit, ihre Bindung in politisch-militärische Interessen und Machtverhältnisse ausreichender Grund insbesondere für militarismuskritische Filmemacher, die Gerichtsverhandlung als einen Ort aufzusuchen, an dem die innere Logik des Kriegsapparates, die De-Humanisierung der Soldaten und der innere Zynismus sozialer Beziehungen im Militär (etwa in solchen Rechtsverhältnissen wie Befehl-Gehorsam) sichtbar gemacht werden kann. Beispiele sind Stanley Kubricks Paths of Glory (1957), Joseph Loseys King and Country (1964), Bruce Beresfords ‘Breaker’ Morant (1980) oder William Friedkins Rules of Engagement (2000). Oft sind derartige Verhandlungen nur Szenen in umfassenderen Filmen (wie in Billy Budd, 1962, Peter Ustinov, oder The Caine Mutiny, 1954, Edward Dmytryk). Paradoxerweise werden Widersprüche zwischen einem außermilitärischen Ideal der Bürgerrechte und den besonderen Konditionen des Militärrechts, in dem jene zumindest zum Teil aufgehoben werden, in den meisten Filmen so aufgelöst, dass selbst dann, wenn der Autoritarismus des Militärs obsiegt, die Vorstellung eines „Kriegshelden“ aufrechterhalten wird. Der Militärapparat selbst wird üblicherweise nicht in Frage gestellt. 

Literatur: Kuzina, Matthias: Die amerikanische Militärjustiz im Film. The Caine Mutiny Court-Martial (1988). In: Recht im Film. Hrsg. v. Stefan Machura u. Stefan Ulbrich. Baden-Baden: Nomos 2002, S. 126-154. – Kuzina, Stefan: Das Kriegsgerichtsverfahren als Filmsujet. US-amerikanische Erzählmuster. In: Recht im Film. Hrsg. v. Stefan Machura u. Stefan Ulbrich. Baden-Baden: Nomos 2002, S. 185-236.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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