Lexikon der Filmbegriffe

Gruppenporträt

Erzählmuster, bei dem keine Einzelfigur im Zentrum steht, sondern ein (zahlenmäßig eher kleines) Kollektiv, das aus einem mehr oder weniger komplexen Gefüge verschiedenartiger Figuren besteht. Der Reiz des Musters besteht darin, diese Verschiedenartigkeit zu nutzen, die Charaktere gegeneinander auszuspielen, miteinander zu verweben oder dem Vergleich auszusetzen. Oft wird die Gruppe in einer Milieustudie ausgeleuchtet (wie in Rainer Werner Fassbinders Katzelmacher, BRD 1969) oder sie bildet eine Schicksalsgemeinschaft, die womöglich in Intrigenspiele verwickelt ist; außerdem sind die meisten Familiendramen und Familiensagen Gruppenporträts; und auch zahlreiche Jugend- oder Teenie-Dramen stellen ihre Figuren als Figurengruppen vor (durchaus im Sinne der peer-groups, die in der Pubertät ja tatsächlich die wichtigsten sozialen Orientierungsrahmen darstellen). Manche Gruppen arbeiten im Untergrund und finden gerade darin eine Bestätigung der Gruppenbedeutung (wie in Die weiße Rose, BRD 1980, Michael Verhoeven). Andere bilden Tiefenorientierungen über die Zeit aus, auch wenn die Beziehungen im Einzelnen oft nicht aktiv sind (wie die Schulklassen, die in Lamorte, Österreich 1996, Xaver Schwarzenberger, oder in The Group, USA 1966, Sidney Lumet, nach Jahren zusammenkommen und die oft viel älteren Freundschaften ebenso wie die Konflikte wiederaufnehmen).
Im verwandten Muster des Figurenmosaiks kennen sich nicht alle Beteiligten, so dass nicht so sehr ein Kollektiv gemeint ist, sondern eher das Nebeneinander, die Parallelität verschiedener Figuren, deren Anzahl tendenziell höher ist als beim Gruppenporträt und die sich an zahlreicheren und weiter entfernten Orten befinden.
 

Referenzen:

reunion films


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: PB AS


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