Lexikon der Filmbegriffe

Objet trouvé

frz., wörtl: gefundener Gegenstand; engl.: found image, found material, found object

Wenn ein Gegenstand der Alltagswelt wie ein zufällig gefundener Gegenstand als Kunst-Objekt behandelt oder wenn es in künstlerische Aktionen integriert wird, spricht man seit den Dadaisten vom objet trouvé. Abfallprodukte, Gebrauchsgegenstände, Fundgegenstände wurden in Collagen und Montagen integriert. Auch die Surrealisten griffen auf solche Praktiken zurück, sprachen den Objekten aber u.U. magische oder unterbewusste Bedeutungen zu, nahmen sie als Anlass zur Erzeugung vorrationaler Bild- und Textproduktion. Im Gegensatz zum eigentlichen ready-made werden hier die Artefakte allerdings symbolisch aufgeladen. Insbesondere der Konzeptkünstler Marcel Duchamp nutzte sie hingegen zur Metareflexion des Kunstbegriffs bzw. den Praxen der Musealisierung.


Im Film bezieht sich die Technik des found footage immer wieder auf die Kunst-Konzepte des Objet trouvé – besonders dann, wenn der Bildcollage keine lange Auswahl in den Archiven vorausgeht, sondern alltägliches Bildmaterial verarbeitet, wie es vor allem das Fernsehen zur Verfügung stellt.

Literatur: Kellerer, Christian: Der Sprung ins Leere. Objet trouvé, Surrealismus, Zen. Köln: DuMont 1982.


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: CA


Zurück