Lexikon der Filmbegriffe

Kindheit

In allen filmischen Gattungen und Genres, vom albernen Klamauk über hoch emotionale Melodramen bis hin zu herben Milieustudien mit Anspruch auf Gesellschaftskritik, ist von Beginn der Filmgeschichte an Kindheit ein verdecktes Thema gewesen. Im Zentrum stehen jeweils unterschiedliche (und historisch wandelbare) filmische Entwürfe des sozialen Phänomens Kindheit, und die Verwendung des Motivs lässt Rückschlüsse über Mentalitäten und ideologische Konzepte zu: Kindheit als Paradies oder Ort der Unschuld oder aber Kindheit als Zeit des Ausgeliefertseins, der Unterdrückung etc. Auf formal-ästhetischer Ebene rückt die Realisierung von „kindlichen“ Point-of-View-Strukturen in den Vordergrund, auf extradiegetischer Ebene kommen schauspielspezifische Aspekte wie kindliche Protagonisten und Laiendarsteller zum Tragen. In einzelnen kinematographischen Traditionen, etwa dem iranischen Kino, ist das Motiv geradezu Wesensmerkmal. Längst nicht bei allen Filmen, die die Kindheit thematisieren, handelt es sich auch um Kinder- oder Familienkino, die beide allein über ihre Zielgruppe definiert sind; ob darin tatsächlich auch Geschichten über die Kindheit erzählt werden, ist aus dieser Perspektive zweitrangig. 

Beispiele: The Kid (USA 1921, Charles S. Chaplin); In the Street (USA 1852, Helen Levitt); L‘Argent de poche (Frankreich 1976, François Truffaut); Children (Großbritannien 1976, Terence Davies); Khaneh-je doost kojast (Iran 1988, Abbas Kiarostami).


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: PB


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