Lexikon der Filmbegriffe

Theatermilieu

engl. manchmal: film about theatre; auch: backstage movies

Zahlreiche Spielfilme machen sich das schillernde Motiv des typischerweise aufgeheizten und spektakulären Theatermilieus zu Nutze und ziehen daraus mehrere Vorteile: Im Zentrum steht die (mehr oder weniger klischierte) Berufswelt des Theaters und die dazugehörigen Figuren – vom schrulligen Bühnenarbeiter über die exzentrische Künstlergestalt bis zur hysterischen. Eine eigene Rolle nehmen Filme an Schauspielschulen ein (wie Lampenfieber, BRD 1960, Kurt Hoffmann, oder der Dokumentarfilm Die Spielwütigen, BRD 1997-2004, Andres). Die Grundsituation bietet Gelegenheit, sie alle im Privat- und Berufsleben, bei Proben und Premieren zu zeigen und sie in unzimperliche Intrigenspiele, gefühlsintensive Konkurrenzkämpfe oder wundersame Karrierestorys zu verwickeln (man denke an All About Eve, USA 1960, Joseph L. Mankiewicz). Obsessive Bindungen von Akteuren an ihren Beruf (wie in The Red Shoes, Großbritannien 1948, Michael Powell) werden ebenso wie Liebesgeschichten zwischen Theaterleuten und Zuschauern oder Zuschauerinnen erzählt oder Konflikte zwischen Bohème und Bürgertum (man denke an den komplexen Film Opening Night, USA 1977, John Cassavetes, über eine Krise im Leben einer Schauspielerin nach dem Tod eines Fans, der sie zu erreichen suchte). Darüber hinaus bietet die Architektur des Theaters mit Bühne, Orchestergraben, Logen, Schnürboden, Garderoben etc. eine komfortable Anzahl verschiedener Schauplätze (bis hin zu der Möglichkeit, als Versteck zu dienen – Beispiele sind Phantom of the Opera, USA 1943, Arthur Lubin, mehrere Neuadaptionen; Le dernier Métro, Frankreich 1980, François Truffaut). Schließlich können die auf der Bühne aufgeführten Stücke in sinnträchtige Beziehung zur eigentlichen Filmhandlung gesetzt werden, wobei nicht selten eine Selbstreflexion entsteht.

Referenzen:

Backstage-Musical


Artikel zuletzt geändert am 23.07.2011


Verfasser: PB


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