Lexikon der Filmbegriffe

Hermeneutik: Stufenmodelle

Das Sprach- bzw. Textverstehen kann als eine spezielle Klasse des Handlungsverstehens gelten. Von einer gelungenen Kommunikation kann dann die Rede sein, wenn die Intention des Zeichenverwenders tatsächlich erfasst wurde. Das Verstehen ist aber graduell und daher als Stufenmodell darstellbar. Oliver Scholz unterscheidet hierzu beim Sprachverstehen die folgenden Stufen: (1) perzeptives Verstehen, (2) etwas als Zeichen verstehen, (3) etwas als sprachliches Zeichen verstehen, (4) etwas als Symbol einer bestimmten Sprache L verstehen, (5) Verstehen des potentiellen Sinnes einer Äußerung in der Sprache, (6) Verstehen des im Kontext aktualisierten sprachlichen Sinnes, (7) Verstehen des im der Äußerung des Satzes Gesagten, (8) Verstehen des Äußerungsmodus, (9) Verstehen des pragmatisch implizierten Sinnes. Ein entsprechendes Ebenenmodell lässt sich auch für das Bildverstehen entwickeln. So unterscheidet beispielsweise Posner verschiedene Kompetenzebenen: (1) perzeptuelle, (2) plastische, (3) signitive, (4) syntaktische, (5) piktoriale, (6) referentielle, (7) exemplifikationale, (8) funktionale, (9) pragmatische und (10) modale Kompetenz.

Literatur: Posner, Roland: Ebenen der Bildkompetenz, in: Sachs-Hombach, Klaus (Hg.): Was ist Bildkompetenz? Studien zur Bildwissenschaft. Hrsg. v. Klaus Sachs-Hombach. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2003 (Reihe Bildwissenschaft. 10.). – Scholz, Oliver R. (1998): Was heißt es, ein Bild zu verstehen? In: Bild – Bildwahrnehmung – Bildverarbeitung. Interdisziplinäre Beiträge zur Bildwissenschaft. Hrsg. v. Klaus Sachs-Hombach u. Klaus Rehkämper. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag, 105-117.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KSH


Zurück