Lexikon der Filmbegriffe

Academy of Television Arts and Sciences (ATAS)

auch: Television Academy

Syd Cassyd, Journalist und Schriftsteller, war zutiefst davon überzeugt, dass das Fernsehen eine zentrale pädagogische Institution werden würde, und rief schon am 14.11.1946 Fernsehbeteiligte in Los Angeles zusammen, die nach dem Modell der Academy of Motion Picture Arts and Sciences das neue Medium von Beginn an (in den USA gab es erst 50.000 Fernsehgeräte) als Qualitätswächter und Archiv begleiten sollte: Die Academy of Television Arts and Sciences wurde gegründet. Ihr gehörte schnell eine große Zahl von Fernseh-Professionellen an, die sich in Berufsgruppen (peer groups, heute: 27 an der Zahl) organisierten. Von der Filmindustrie als Konkurrenz empfunden, führte ATAS lange ein Schattendasein. Am 15.11.1955 entstand auf Betreiben des TV-Entertainers Ed Sullivan eine zweite TV-Akademie in New York, was plausibel war, da ein großer Anteil der frühen TV-Produktionen in New York entstand; dieser Anteil wurde in den 1960ern schnell kleiner, die Bedeutung New Yorks als Fernsehproduktionsstandort ebenfalls. 1957 verschmolzen die beiden Verbände zu einer National Academy of Television Arts & Sciences. Die Spannungen zwischen den beiden Ortsverbänden stiegen in den 1960ern schnell an, zumal die Hauptniederlassung 1964 nach Hollywood verlegt wurde. Mitte der 1970er kulminierte der Streit, und die beiden Verbände gingen 1977 auseinander – die L.A.-Gruppe kehrte zum ursprünglichen Namen (ATAS) zurück, die N.Y.-Gruppe übernahm den gemeinsamen Namen (NATAS). Die Emmys wurden zwischen beiden aufgeteilt, L.A. vergab den Primetime-Bereich, N.Y. die meisten anderen. Außerdem vergaben andere lokale Gruppen lokale Emmys. Im Mai 1991 bezog die ATAS ein neues Haus mit einer eigenen Hall of Fame und einem 600-Sitzplätze-Kino (Leonard H. Goldenson Theatre). Hier finden seitdem auch die Treffen der peer groups statt.

Am 23.4.1959 wurde eine Stiftung der ATAS ins Leben gerufen. Sie war 1965 an der Gründung der ATAS/UCLA Television Archives beteiligt, einer der weltweit größten Sammlungen von Kineskopien, Bändern und Filmen aus der frühen Fernsehzeit. Seit 1977 koproduziert die Stiftung Bildungsfilm-Programme und subventioniert zudem Lehraufträge professioneller Fernsehmacher an diversen Universitäten.

Referenzen:

Emmy


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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