Lexikon der Filmbegriffe

Botenbericht

engl.: messenger speech


Der Mauerschau verwandt, wird beim Botenbericht ein handlungsrelevantes, inzwischen abgeschlossenes Geschehen nicht explizit gezeigt, sondern nur durch den sprachlichen Bericht eines Boten in der erzählten Welt bekannt gemacht. Der Bote war ursprünglich als Bühnenfigur konzipiert; der Bericht kann aber auch medial erfolgen – etwa durch einen Brief (der auf der Bühne verlesen oder im Bild gezeigt wird), durch einen Telefonanruf, sogar mittels Brieftauben; heute können im Film auch Bilder oder Videoaufnahmen den ursprünglich immer sprachlichen Bericht ergänzen, im Sonderfall sogar ersetzen. Der Tod einer entfernten Figur, Schiffsunglücke, entfernte Naturkatastrophen oder der Ausgang einer Schlacht können so für das Drama handlungsrelevant werden, ohne dass man die Ereignisse explizit zeigen müsste. Nicht nur lässt sich so die Einheit des Handlungsortes bewahren, sondern die Inszenierung ist vom Aufwand der Inszenierung der Geschehnisse entlastet, die selbst ja gar nicht im Zentrum der Darstellung stehen, sondern vielmehr in ihren Auswirkungen auf die Handlung in das Drama hineinwirken.


Literatur:  Erdmann, Gerd: Der Botenbericht bei Euripides. Struktur und dramatische Funktion. Diss. Kiel 1964. - Hanich, Julian: Suggestive Verbalisierungen. Wenn Sprache die Imagination des Zuschauers weckt. In: Heinz‑Peter Preußer (Hg.): Anschauen und Vorstellen. Gelenkte Imagination im Kino. Marburg: Schüren 2014, S. 153-184. – Jong, Irene J. F. de: Narrative in drama. The art of the euripidean messenger speech. Leiden [...]: Brill 1991 (Mnemosyne / Supplementum. 116.). – Zeppezauer, Dorothea: Bühnenmord und Botenbericht. Zur Darstellung des Schrecklichen in der griechischen Tragödie. Berlin [...]: De Gruyter 2011 (Beiträge zur Altertumskunde. 295.). 

Referenzen:

Teichoskopie

verdeckte Handlung


Artikel zuletzt geändert am 27.08.2017


Verfasser: HJW


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