Lexikon der Filmbegriffe

Kalter Krieg

Als „Kalter Krieg“ wird die Phase der Ost-West-Beziehungen zwischen der Rede Churchills, in der zum ersten Mal das Wort „Eiserner Vorhang“ fiel (1946), und dem Berliner Mauerfall (1989) bezeichnet. Es geht um eine mit der gegenseitigen Bedrohung verbundene, paranoid geprägte politische Geisteshaltung, die durch systematisches, intolerantes Missverstehen und eine feindselige, oft fundamentalistische Polarisierung von Ost und West geprägt war. Der Kalte Krieg fand auf beiden Seiten in Hetze und Propaganda Ausdruck, die bei der Bevölkerung zu einem politischen Klima von Angst, ideologischer Verhärtung und Militarismus führte. Insbesondere im Spionagefilm ist der Kalte Krieg eine reale Hintergrund-Konstellation, auf die oft explizit Bezug genommen wurde. Ihre geheime Akteure (von CIA und KGB bis zu BND und Mossat) bilden eine Zwischenebene zwischen den Nationen und den Individuen, die für sie arbeiten oder die zu ihren Opfern werden. Nach einer strikt antikommunistischen Phase (in den 1950ern) dreht sich die Sympathie in den verschiedenen Genres, nun gerät auch der amerikanische Geheimdienst in Verdacht, ein fatales, bis zur Selbstgenügsamkeit reduziertes Spiel zu spielen, in das beide Seiten eingeweiht sind. Spionagefilme wie The Spy Who Came in from the Cold (Großbritannien 1965, Martin Ritt) oder The Kremlin Letter (USA 1970, John Huston) gehören ebenso zum Ausdrucksfeld der Kalten-Kriegs-Konstellation wie Fluchtgeschichten, Melodramen über Republikfluchten und Familientrennungen, Geschichten von Wissenschaftlern, die als Überläufer die Seite wechseln oder entführt und „umgedreht“ werden, Liebesgeschichten über Grenzen hinweg (von Himmel ohne Sterne, BRD 1955, Helmut Käutner, bis noch in The Russia House, USA 1990, Fred Schepisi), Spionage-Komödien (wie Hopscotch, Großbritannien 1980, Ronald Neame), die roten Telefone des Politfilms (wie in Seven Days in May, USA 1964, John Frankenheimer). Internationale Krisen des Kalten Krieges wie die Kuba-Krise, der russische Einmarsch in die CSSR 1968 oder die brutale Niederschlagung des Budapester Aufstands 1956 sind vielfach dramatisiert worden. Nicht immer ist das Motiv offen genannt: Extreme Feindbilder, schwelende Angst und stereotype Versatzstücke der Polarisierung sind Kennzeichen einer symbolischen Verweisart auf den Kalten Krieg, so dass insbesondere eine ganze Reihe von Science-Fiction-Filmen als Simulationsspiele der möglichen Gefahren einer kommunistischen Unterwanderung angesehen werden können.
Eine Ausprägung des Kalten Krieges war auch die Selbstkontrolle, der sich Hollywood und die US-Kulturszene mittels des House Un-American Activities Committee (HUAC) unterzog.

Literatur: Perrine, Toni A.: Film and the Nuclear Age. Representing Cultural Anxiety. New York: Garland 1998. – Sayre, Nora: Running Time. Films of the Cold War. New York: Dial Press 1980. – Slotkin, Richard: Democracy and Force: The Western and the Cold War, 1946-1960. In seinem: Gunfighter Nation. The Myth of the Frontier in Twentieth-Century America. New York: Harper Perennial 1993, S. 347-486.

Referenzen:

Big Bug Films

Blacklisting

Gehirnwäsche

Hollywood-Ten

House Un-American Activities Committee (HUAC): Die Frühphase

House Un-American Activities Committee (HUAC): Hollywood-Ten

House Un-American Activities Committee (HUAC): MacCarthy-Ära und Nachleben

Paranoia-Kino

paranoider Thriller: Bestimmungselemente

paranoider Thriller: Geschichte


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: PB AS


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