Lexikon der Filmbegriffe

Kamerafilm

(1) Vor allem im Feld des ambitionierten Amateurfilms wird die Film-Etude zuweilen auch als Kamerafilm bezeichnet. Alle Möglichkeiten der Komposition, der Kamerabewegung und des Schnitts sollen virtuos genutzt werden. Es besteht zumindest vordergründig nicht die Absicht, eine Handlung zu erzählen, sondern durch Elemente wie Bildausschnitt, Licht und Schatten, Brennweite, Kamerastillstand und -bewegung sowie durch die Montage aller dieser Elemente und die Kombination mit Ton beim Zuschauer Eindruck und Emotionen zu erzeugen.
(2) In der Mikroverfilmung spricht man vom Kamerafilm, wenn der Mikrofilm mit der Kamera und nicht im Kontaktkopie-Verfahren hergestellt wird.
(3) Kamerafilm ist eine programmstrategische und werbliche Bezeichnung, die das ZDF in den 1980er Jahren für Produktionen eingeführt hat, die nicht dominierend narrativ waren oder die Kamera nach anderen Kompositions- und Auflösungsstrategien führten als denen des konventionellen Kinos. Die Bezeichnung wird immer noch verwendet, obwohl sie in sich widersinnig ist – als ob andere Filme auf der Drechselbank gedreht würden.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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