Lexikon der Filmbegriffe

Pause

engl.: intermission, selten: break, pause

Alfred Hitchcock gilt als Urheber eines Bonmots, dem zufolge ein Film nicht länger sein sollte als die Blase des Zuschauers es gestatte. Tatsächlich wurde die Vorführung überlanger Filme (wie Gone with the Wind, 1939, 238min) etwa in der Hälfte der Vorführzeit unterbrochen, so dass Zuschauer die Toilette aufsuchen sowie Getränke und Naschereien kaufen konnten. Der zweite Teil der Vorführung wurde oft mit einem musikalischen Zwischenspiel eingeleitet, andere Filme überbrückten die Pause mit Musikstücken aus dem Film. Diese Pause war dramaturgisch wie ein Cliffhanger eingeplant. So werden in der Westernkomödie The Hallelujah Trail (1965, 165min) vor der Pause alle beteiligten Figurengruppen miteinander konfrontiert, bevor dann die Situation einzufrieren scheint. Manche Filme (wie Kubricks Barry Lyndon, 1975, 184min) nutzten die Pause, um im zweiten Teil einen veränderten Darstellungs- und Inszenierungsstil aufzunehmen. Indische Filme führen die Handlung meist bis zum Wendepunkt, der Showdown und die Abarbeitung der Konflikte findet nach der Pause statt.
Die Praxis der unterbrochenen Vorführung war zwar von den road shows her seit der Stummfilmzeit bekannt und wurde bei überlangen Filmen wohl schon immer verwandt, doch wurde sie erst in den Monumentalfilmen der 1950er weiter verbreitet. Ursprünglich stammt die Pause aus Oper und Theater, hier kann es sogar mehrere geben. Als letzte Filme, die tatsächlich mit Pause vorgeführt wurden, gelten Reds (1981, 194min) und Gandhi (1982, 188min). Seitdem werden Filme nur noch im Ausnahmefall mit Pausen vorgeführt.

Referenzen:

Intermezzo


Artikel zuletzt geändert am 25.07.2011


Verfasser: AS


Zurück