Lexikon der Filmbegriffe

plot twist

dt. etwa: überraschende Wendung; verwandt der dramaturgischen Konzeption der ,Peripetie‘

Manche Geschichten warten mit überraschenden Wendungen auf, die die Entwicklungen in Richtungen zwingt, die der Zuschauer kaum erwarten konnte. Wenn etwa Alfred Hitchcocks Psycho (USA 1960) mit einer Liebesgeschichte beginnt, aus dieser einen Geldraub motiviert und dann mitten im Film mit dem Mord an der Heldin diese ganze Handlungslinie aufgibt und zu einer Psychopathengeschichte mutiert, ist die Wendung unberechenbar und wirkt wie ein kognitiver Schock. Andere Geschichten legen Hinweise auf die Wendung vorher aus, wieder andere sind offen, ihre plötzlichen Richtungs- und Themenänderungen sind nur für manche Zuschauer absehbar. Manche Filme spielen vor allem am Ende der Geschichte mit überraschenden narrativen Wendungen (wie Filme David Mamets – The Spanish Prisoner, USA 1997; Heist, USA 2000), andere mit der Annahme, dass der Held zu den Lebenden zu zählen sei, tatsächlich aber ein Geist ist (wie Carnival of Souls, 1962, Herk Harvey, The Sixth Sense, USA 1999, M. Night Shyamalan, oder The Others, Spanien 2001, Alejandro Amenábar), wieder andere ändern das Register (wie Börn náttúrunnar / dt.: Children of Nature, Island 1991, Friðrik Þór Friðriksson, als Road Movie beginnt und als Parabel endet). 

Literatur: Flory, Dan: Cinematic Presupposition, Race, and Epistemological Twist Films. In: The Journal of Aesthetics and Art Criticism 68,4, Fall 2010, S. 379-387. – Wilson, George: Transparency and twist in narrative fiction film. In: The Journal of Aesthetics and Art Criticism 64, 2006, S. 81‑95. Repr. als: Smith, Murray / Wartenberg, Thomas (eds.): Thinking through cinema: film as philosophy. Oxford / New York: Blackwell Publishing 2006, S. 81‑95.
 

Referenzen:

Peripetie


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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