Lexikon der Filmbegriffe

Selbstreflexion

Viele Filme handeln vom Filmemachen und reflektieren damit ihre eigene Produktionssituation, verweisen auf den fotografischen Abbildcharakter, den filmischen Apparat, das Kino als Rezeptionsstätte oder die Kunst des Schauspielens. Manchmal werden die Dreharbeiten selbst zum Gegenstand der Handlung, so dass technische Details der Herstellung sichtbar werden, die der Spielfilm üblicherweise unterdrückt. Oft tritt eine Verschiebung auf, und der Gegenstand der Selbstreflexion ist nicht der Film, sondern die Fotografie (Blow Up, Italien 1966, Michelangelo Antonioni), die Malerei (Girl with a Pearl Earring, USA/Luxemburg 2003, Peter Webber), das Theater (All About Eve, USA 1950, Joseph L. Mankiewicz) oder das Musical (Applause, USA 1929, Rouben Mamoulian), das Radio (Tune in Tomorrow..., USA 1990, Jon Amiel) oder das Fernsehen (The Truman Show, USA 1998, Peter Weir). In solchen Fällen wird der Prozess der Illusionsbildung nicht am Film, sondern an benachbarten Medien aufgezeigt. Häufig ist die Selbstreflexion nur ein Nebenaspekt eines ansonsten anders gelagerten Films; mit ihr wird sporadisch gespielt, um eine modernistische Komplexität zu erlangen oder die Rezeption zu intellektualisieren. Selbstreflexivität begegnet auf jeder filmischen Niveauebene, vom konventionellen Hollywoodfilm bis zum Kunstkino, wird jedoch im Autorenfilm häufiger, intensiver und konstitutiver genutzt als im üblichen Unterhaltungskino.

Referenzen:

Backstage-Musical

Filmgeschichte im Film

reflexives Kino


Artikel zuletzt geändert am 21.01.2012


Verfasser: PB


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