Lexikon der Filmbegriffe

Tonbild (1)

Um 1900 breitete sich die Praxis aus, im Kino eigens aufgenommene Phonografen-Walzen oder Grammophon-Platten bei Filmvorstellungen mitlaufen zu lassen. Großes Echo hatten Aufführungen auf der Pariser Weltausstellung 1900, auf der das Phono Cinéma Théâtre mit sprechenden Aufnahmen berühmter Schauspieler und Gesangsaufnahmen zeitgenössischer Opern- und Operettenlieblinge das Publikum fasziniert hatte. 1902 kam Gaumont in Frankreich mit dem Verfahren Phonoscène an den Markt, am 29.8.1903 folgte Messter in Deutschland mit seinen Tonbildern (nach der eigenen Werbung: „singende und sprechende Fotografien“) im Biophon-Verfahren. Es entstanden eigene Biophon-Theater. Eine ganze Reihe ähnlicher Versuche wurden zwischen 1900 und 1910 unter fantasievollen Namen wie Synchroscope, Vivaphone, Cinématophone, Fotophone oder Animatophone in Deutschland, Frankreich und Amerika patentiert und vorgeführt. Bis 1910 entstanden etwa 1.000 Tonbilder. Oft war der Ton nicht Begleitung der Filmhandlung, sondern Anlass des ganzen Films – insbesondere von Aufnahmen von performances beliebter Musikstars der Zeit; Beispiele sind die Filme von Franz Porten zu den Schallplatten von Enrico Caruso. Mit der zunehmenden Konkurrenz, aber auch der Vergrößerung der Kinos, die eine zufriedenstellende Beschallung zunehmend schwieriger machte, verschwinden die Tonbilder zwischen 1910 und 1912 wieder.

Referenzen:

Biophon

Chronophon

Chronophonograph

Kino-Deklamazije

phonoscènes

Synchrophon


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH HBi


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