Lexikon der Filmbegriffe

Dandysmus

auch im Deutschen meist: Dandy; verwandt den Figuren des Stutzers, des Gecken, des Beaus

Rhonda K. Garelick stellte die These auf, das Konzept des Medienstars datiere zurück auf das Frankreich des 19. Jahrhunderts, in dessen letzten zwanzig Jahren, in der Epoche der sogenannten Décadence, dandystische Autoren, ausgehend u.a. von Charles Baudelaire, sich fortsetzend noch in Oscar Wilde, sich vom Spektakel der Selbstinszenierung ab- und dem Spektakel weiblicher Inszenierungen auf der Bühne zuwendend. Extreme Selbstinszenierung, elitärer und snobistischer Habitus, narzisstisch gefärbte Arroganz gegenüber dem bourgeoisen Umfeld: Dandysmus manifestiert sich historisch und im Film in einer ganzen Anzahl fast immer selbstbezüglicher Inszenierungsweisen. Schauspielerinnen (beispielsweise Sarah Bernhardt) und Tänzerinnen (beispielsweise Loie Fuller) seien nach der Jahrhundertwende dandystisch „umkodiert“ und die so entstandenen Ikonen durch die Massenmedien, vor allem durch die Fotografie, die Presse und später auch durch den Film als „Vorbilder“ für eigene Inszenierungen des weiblichen Publikums in Umlauf gebracht worden. Diese frühen Formen des weiblichen Dandysmus hätten sich schließlich zum postmodernen Typus der Diven, Stars und anderer Prominenter wie Jackie O., Madonna (oder sogar Jacques Derrida) entwickelt.
Im Film ist die Dandy-Figur oft dem eigentlich handelnden, seine eigenen Interessen vertretenden Protagonisten antagonal entgegengestellt (in den verschiedenen Zorro-Geschichten etwa). Andere Geschichten erzählen von historischen Vorbildern (wie Beau Brummell, USA 1954, Curtis Bernhardt, oder The Trials of Oscar Wilde, Großbritannien 1960, Ken Hughes, sowie Wilde, Großbritannien 1997, Brian Gilbert, von ihren Titelhelden erzählen; man denke auch an The Importance of Being Earnest, Großbritannien 1952, Anthony Asquith; Neuverfilmung 2002, Oliver Parker, nach Motiven von Wilde). Immer bleibt seine Exzentrik Grund für eine gesellschaftliche Randposition, selbst seine sexuelle Identität scheint zu irisieren. 

Literatur: Bronfen, Elisabeth / Straumann, Barbara: Die Diva. Eine Geschichte der Bewunderung. München: Schirmer-Mosel 2002. – Feldman, Jessica R.: Gender on the Divide. The Dandy in Modernist Literatur. Ithaca/London: Cornell University Press 1993. – Garelick, Rhonda K.: Rising Star. Dandyism, Gender, and Performance in the Fin de Siècle. Princeton: Princeton University Press 1998. – Gnüg, Hiltrud: Kult der Kälte. Der klassische Dandy im Spiegel der Weltliteratur. Stuttgart: Metzler 1988.
 

Referenzen:

Hipster


Artikel zuletzt geändert am 29.05.2012


Verfasser: AS


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