Lexikon der Filmbegriffe

Mephisto-Urteil

Ausgelöst durch Klaus Manns Roman Mephisto. Roman einer Karriere, der 1936 von der Amsterdamer Querido Presse erstveröffentlicht war und der 1956 im Ostberliner Aufbau-Verlag neu aufgelegt wurde, kam es 1968, als die Nymphenburger Verlagshandlung eine westdeutsche Ausgabe vorbereitete, zu einem mehrjährigen Prozess. Das Buch erzählt die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen und seines Aufstiegs im Dritten Reich – sie ist unschwer als Schlüsselroman über Gustav Gründgens zu erkennen. Am 24.2.1971 kam es zu einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes in der Frage der Abwägung zwischen Ehrenschutz und Kunstfreiheit – danach muss die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Kunst (Art. 5,3 GG) hinter den Schutz der Persönlichkeit (Art. 1,1 GG) zurücktreten, der auch nach dem Tode noch gewährt werden muss. Es wurde zugleich aber festgestellt, dass das Schutzbedürfnis und die Schutzverpflichtung in dem Maße schwinden, in dem die Erinnerung an den Verstorbenen verblasst.

Literatur: Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE) 30, 1971, 173.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: HHM


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