Lexikon der Filmbegriffe

Proportionslehre

engl.: proportion theory

Seit der Antike gelten gewisse Größenverhältnisse als Annäherungen an eine verborgene, mathematisch berechenbare Harmonie der Realität – und es ist Aufgabe der bildenden Künste, sich an die natürlichen Harmonieverhältnisse anzunähern resp. diese wiederzugeben. Die Proportionslehre definiert die Regeln, nach denen die internen Verhältnisse der Teile eines Kunstwerkes beschaffen sein müssen, wenn sie als „harmonisch“ anzusehen sind. Einzelne solche Regeln oder Regelwerke sind neben einigen anderen geometrischen Prinzipien der „Goldene Schnitt“ (der ein Streckenteilungsverhältnis bezeichnet), die Lehre der „Proportionen des menschlichen Körpers“ (die die Maße der Proportionen des menschlichen Körpers als Grundlage einer allgemeinen Lehre der Verhältnisse von Teilen zu Ganzen ansieht; sie geht auf den antiken Architekten Vitruv zurückgeht, aber wohl erst im „Vitruvschen Menschen“ Leonardo da Vincis ihre endgültige Formulierung fand) sowie die Lehre der „harmonischen Proportion“, in der musikalische Schwingungsverhältnisse auf Längenverhältnisse übersetzt werden.
Die Bedeutung der Proportionslehre für die bildenden Künste (in Sonderheit Architektur und Malerei) ist unstreitig, auch wenn es bislang noch kaum Untersuchungen zu ihrer Funktion für die filmische Gestaltung gegeben hat.

Literatur: Elam, Kimberly: Proportion und Komposition. New York: Princeton Architectural Press 2006 (Design Ratgeber.). – Naredi-Rainer, Paul von: Architektur und Harmonie. Zahl, Maß und Proportion in der abendländischen Baukunst. Köln: DuMont 1982.

Referenzen:

Goldener Schnitt


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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